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Emil fährt nach Wien

 

Emil blinzelt, er reibt sich die Augen, ist das schon Sonnenlicht? Er blinzelt noch einmal und ist im nächsten Moment auch schon hellwach. Normalerweise will er nicht gerne aufstehen, kuschelt gerne noch eine Weile, aber heute, heute ist alle anders. Heute fährt Emil nach Wien, er ganz alleine, ohne seine Eltern und ohne seine Geschwister. Mein Gott ist das aufregend. Mit einem Satz ist er aus dem Bett. Neben dem Schrank steht schon der gepackte Koffer. Auf dem Stuhl neben dem Bett liegen fein säuberlich seine Reiseklamotten. Schnell rafft er alles zusammen und verschwindet im Badezimmer. In seiner Aufregung stößt er mit dem Fuß gegen den metallenen Abfalleimer. Upps, das wollte ich aber jetzt nicht. Er bückt sich um den Eimer wieder hinzustellen. Dann hört er auch schon die Stimme von Mama „Wer um Himmels Willen macht da so einen Lärm, es ist mitten in der Nacht, ganz genau viertel nach fünf“. Emil reibt sich noch einmal die Augen, viertel nach fünf? Noch so früh. Schnell lugt er durch die geschlossenen Läden. Tatsächlich draußen ist es noch ganz dunkel, nur das Licht der Straßenlaterne ist zu sehen. Mit hängendem Kopf schleicht er wieder in sein Zimmer. Was soll ich machen: ich bin ja überhaupt nicht mehr müde. Er legt sich wieder ins Bett und zieht die Decke bis über die Nase. Ich kann ganz bestimmt nicht mehr einschlafen, ich bin ja hellwach...

 

„Emil ! Emil! Aufstehen! Na du Schlafmütze komm schnell, Frühstück steht schon auf dem Tisch und du musst heute ganz besonders gut frühstücken“.

 

Emil reibt sich die Augen, was ist denn jetzt schon wieder los, es ist doch nach ganz dunkel draußen... Er blinzelt, fährt sich mit der Pfote über die Augen, nanu, es ist hell, ich habe doch nicht geschlafen oder?

 

In der Küche sitzt Mama und Ben, sein jüngerer Bruder, schon am Tisch. Mama ist soeben dabei Brote zu schmieren und in Dosen einzupacken. „Na du Schlafmütze? Komm wir frühstücken und dann bringen wir dich zum Bus“.

 

„Ich will Honig und Marmelade und... nein ich glaube ich kann überhaupt nicht essen, da ist so ein komischer Klotz in meinem Magen, ich denke da passt kein Brot mehr rein“. „Quatsch das ist die Aufregung“ sagt Mama. „Versuche einfach ruhig zu atmen und versuche das Honigbrot“. Emil leckt einmal kurz über sein Brot. Hmmm lecker, schnell beißt er ein Stück ab. „Ich liebe Honigbrot“. „Na siehst du. Jetzt noch schnell waschen und Zähne nicht vergessen, ich verstaue in der Zwischenzeit deinen Koffer im Auto. Deine Brote und etwas zum Trinken habe ich in deinen Rucksack gepackt”

 

Emil stürmt die Treppen hoch. In Windeseile seift er sich das Gesicht ein, jetzt hat er sich auch noch Seife in die Augen gerieben, Aua, das brennt fürchterlich. Nach fünf Minuten steht er wieder unten, frisch und sauber angezogen, seine beste Hose hat er an und die rote Kappe, die Mama ihm extra für die Reise kaufte. Jetzt kann er nicht mehr ruhig stehen, er hopst von einem Bein aufs andere. „Nun zapple nicht so rum, Ben sitzt schon im Auto, komm wir fahren“.

 

Kurze Zeit später sind sie auch schon an der Bushaltestelle angekommen. Da steht ein großer roter Bus mit gelber Schrift. Viele Menschen drängen zur Tür ins Innere um es sich im Bus bequem zumachen. Der Fahrer verstaut Emils Koffer im riesigen Kofferraum und dreht sich dann um „Du also bist der kleine Emil und willst uns nach Wien begleiten, ich habe dir ein schönes Plätzchen freigehalten, hier gleich in der 2. Reihe bei dem älteren Herrn, der wird schon ein Auge auf dich haben. Emil klettert in den Bus und sieht auch schon seinen Platz bei dem Opa. Der lacht ihn ganz freundlich an und tippt auf den Sitzt neben sich. „Komm Jüngelchen, wir beide werden das Kind schon schaukeln, komm mach es dir bequem. Emil ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken, bei einem ihm fremden Mann so eine lange Reise anzutreten, aber Mama scheint ganz beruhigt zu sein, sie drückt ihm ein Küsschen aufs Ohr und sagt ganz leise: „Morgen früh werden wir telefonieren wenn du bei Tante Lily in Wien bist. Du wirst bestimmt schöne Ferien haben. Mach es gut mein Sohn, bis in 2 Wochen, wir haben dich ganz lieb“. Mama steigt aus und schnell schließen sich die Bustüren wie von Geisterhand. Beim Losfahren sieht Emil noch Mama winken und Ben, er winkt mit beiden Armen und hüpft dabei jedes Mal ganz hoch.

 

Die Aufregung ist verschwunden, Emil fühlt sich ganz alleine, obwohl der Bus bis zum letzten Platz besetzt ist. Er hätte am liebsten geweint, traut sich dann aber nicht, ein großer Junge weint ja nicht. Aber das Herz ist ihm schon schwer, er wirft schnell einen Blick zu Seite. Der Opa schaut aus dem Fenster.  Er trägt einen Strohhut und eine Brille, dazu ein rotkariertes Hemd und eine braune Hose die mit Hosenträgern gehalten wird. Auf seinen Knien liegt eine blaue Tasche.

 

„Aber Jungchen, du brauchst ja nicht zu weinen, wir beide werden uns schon gut verstehen“ Emil wischt sich schnell die Tränen aus den Augen, ihm war gar nicht bewusst gewesen dass er weinte. „Tut mir leid aber ich war noch nie alleine von zu Hause weg“, seine Stimme versagt er kämpft erneut mit den Tränen. „Das braucht dir nicht leid zu tun, für seine Tränen braucht man sich nicht zu schämen, aber jetzt sag einmal wie heißt du denn eigentlich, ich kann doch nicht immer Jungchen zu die sagen“ Emil schluckt, „ich heiße, Emil“. Der Opa lacht ganz laut, so laut dass Emil zu erst erschrickt. „Weißt du was Emil, ich heiße auch Emil, Emil Schmid, ja wenn das kein Zeichen ist dass wir uns gut verstehen, dann weiß ich auch nicht“. „Darf ich dann Opa Emil zu dir sagen?“ „Natürlich ganz gerne, ich bin ja auch ein Opa. Ich fahre zu meinem Enkel nach Wien, der studiert da, ist ein gescheiter Junge“. Emil weiß gar nicht was es heißt zu studieren, aber es muss schon etwas ganz Wichtiges sein, wenn der Opa Emil so stolz von seinem Enkel berichtet.

 

Emil schaut sich im Bus um neben seinem Sitz gibt es 2 Knöpfe, er hätte zu gerne gewusst wofür diese Knöpfe da sind. Über ihm ist eine Lampe die aber aus ist, dann gibt es noch einige weitere Knöpfe aber er traut sich dann doch nicht einen zu drücken. Mama hatte ihm extra gesagt, er solle ein braver Junge sein, Erwachsenen nicht ins Wort fallen und auch nicht alles anfassen was er sieht. Nicht alles sagte Mama, vielleicht könnte ich dann doch probieren einen von den unteren Knöpfen zu drucken, nur ganz kurz und auch nur ganz leicht. Die Rückenlehne des Sitzes geht ganz leicht in Liegestellung, nur noch einmal ganz kurz drücken und schon schreit die Frau hinter ihm. „Spiel nicht an deinem Sitz herum, ich habe ja keinen Platz mehr für meine Beine. Emil ist total erschrocken, er traut sich gar nicht mehr noch einmal einen Knopf zu drücken. „Mach dir nichts draus“ lacht Opa Emil und stellt den Sitz wieder normal. Dann erklärt er wofür all diese Knöpfe da sind, einen zum Sitz legen, der andere um ihn wieder hoch zu stellen. Die Lampe oben ist zum Lesen, dann gibt es einen Lautsprecher, einen Knopf wo man die Entlüftung regulieren kann, es gibt Kopfhörer und noch einiges mehr. Emile ist begeistert, in so einem tollen Bus ist er noch nie gefahren. Dann erklärt ihm der Opa noch dass es auch eine Toilette gibt im Bus und sogar einen Fernseher. Dieser Bus ist ein 5-Sterne Bus. Emil schaut sich um wo gibt es denn diese 5 Sterne, vielleicht sind die ja versteckt und man muss sie suchen.

 

Der Bus fährt ganz ruhig, manchmal ruckelt es ein bisschen. Emil schaut aus dem Fenster. Draußen ziehen Wiesen und Felder vorbei, manchmal sieht man ein einsames Haus aber das ist es auch schon. Eigentlich ist Busfahren total langweilig. Bestimmt ist dem Opa auch langweilig denn plötzlich wird auch er ziemlich müde und schließt seine Augen. Dann schnarcht er leise um gleich darauf kurz zu pfeifen. Dabei senkt sich sein Bauch auf und ab. Emil schaut sich um, mehr als die Hälfte der Reisenden sind eingeschlafen, die anderen schauen ganz gelangweilt zum Fenster hinaus und die wieder andere schauen sich ein Buch an.

 

Emil rutsch ziemlich unruhig auf seinem Sitz hin und her, ihm ist langweilig, er beschließt sich die Bordtoilette anzuschauen. Langsam geht er den Gang des Buses entlang, niemand beobachtet ihn. Er schaut sich alles genau an und schon hat er auch die Toilette erreicht. Langsam öffnet er die Tür nur einen Spalt breit, upps da ist es ja ganz dunkel, er drückt die Tür ganz auf und schon ist es taghell. Toll, wieso weiß die Toilette dass man hinein will. Emil wiederholt noch ein paar mal dieses Spiel, wenn der die Tür schließt geht das Licht aus, wenn er die Tür wieder öffnet leuchtet  auch sofort wieder das Licht. Bestimmt es gibt es noch ganz spannende Sachen in so einer Toilette. Sobald er drinnen ist, schließt die Tür aber das Licht bleibt an. Emil ist begeistert. Er schaut sich um, es gibt eine Toilette die innen ganz blau ist und irgendwie unheimlich leuchtet. Er kennt eigentlich nur weiße Toiletten, aber diese hier ist schon etwas besonderes, dann gibt es ein Waschbecken. Er streckt den Arm aus um den Hahn aufzudrehen und schon beginnt das Wasser zu laufen. Zuerst ist er so erschrocken dass er sofort wieder raus wollte doch dann überwiegt die Neugier. Er probiert es immer wieder. Wenn seine Pfote auch nur in die Nähe des Hahnes kommt beginnt das Wasser zu sprudeln. Toll. Emil beginnt die Toilette zu untersuchen, vielleicht läuft das Wasser hier auch automatisch, nein nichts tut sich. Vielleicht muss man richtig viel Pipi machen damit das Spülwasser läuft. Er schaut sich um, da steht ja ein Abfalleimer, vielleicht wenn ich den mit Wasser fülle und in die Toilette schütte glaubt die Toilette ich habe richtig viel Pipi gemacht. Im Eimer liegt nur ein zerknülltes Papiertaschentuch, dieses legt er in die Ecke und beginnt den Eimer mit Wasser zu füllen. Kurz bevor er das Wasser in die Toilette schütten konnte öffnet sich die Toilettentür und eine schrille Stimme reißt ihn aus seinem konzentrierten Tun „Was soll das denn, zuerst bist du 20 Minuten hier drin und jetzt ...“ Die Dame reißt ihm den Eimer aus der Hand und drückt mit dem Fuß auf ein Pedal, sofort sprudelt das Wasser in der Toilette. „So jetzt aber raus hier andere Leute müssen auch mal“. Emil verlässt die Toilette mit gesengtem Kopf und schleicht auf seinen Platz zurück. Der Opa schläft noch immer.

 

Emil hätte zu gerne gewusst wann der Bus denn nun in Wien sein würde aber wen könnte er fragen? Der Opa schläft und die Frau hinter ihm möchte er auch nicht fragen. Vielleicht könnte er ja zum Fahrer hin, der müsste das doch wissen. Er tapst ganz langsam zum Fahrer. „Entschuldigung aber wie lange dauert es noch bis wir in Wien sind?“ Der Fahrer schaut kurz zur Seite: „Im Bus muss jeder auf seinem Platz sitzen bleiben, es ist viel zu gefährlich wenn man hin und her läuft, wir sind jetzt knapp in der Mitte der Reise, also es wird schon noch dauern, jetzt geh schnell wieder auf deinen Platz.“

 

Langweilig, so eine Busreise ist total langweilig, Emil gähnt, draußen gibt es nur Straße und Autos und Straße und Autos, manchmal ein Haus, ein Baum aber das ist es dann auch schon. Das einzige Spannende hier ist die Toilette aber da darf er auch nicht mehr hin.

 

„Hier spricht ihr Fahrer, in fünf Minuten werden wir eine Pause machen, sie können sich dann die Füße vertreten, etwas essen und trinken. In einer halben Stunde fahren wir dann weiter und so gegen 10 Uhr werden wir dann unser Ziel in Wien erreichen. Am Südbahnhof setzen wir 2 Personen ab und fahren dann sofort weiter ins Hotel“.

 

Der Opa ist aufgewacht bei der Durchsage.  „Was ist los?, Habe ich etwas verpasst?“ „Wir werden eine Pause machen“. Emil ist schon ganz zappelig, er rutscht auf seinem Sitz hin und her. Endlich darf er aufstehen.

 

Kurze Zeit später ruckelt der Bus auf einen großen Parkplatz zu, er wendet einmal um dann zwischen 2 anderen Bussen einzupacken. Die Türen öffnen sich. Emil springt vom Sitz hoch und schon ist er draußen, die Sonne scheint ihm ins Gesicht. Es ist richtig warm. Am liebsten wäre er sofort rumgerannt aber er traut sich dann doch nicht, hier fahren viele Autos und Busse rein und raus. Also wartet er geduldig bis Opa Emil ausgestiegen ist. „Was machen wir jetzt“, gibt es hier einen Spielplatz?“

„Jetzt mal langsam, Jungchen, ich spendiere dir ein Eis, magst du Eis und welches magst du am liebsten?

„Ooohhh Eis, ich liebe Eis, ich mag Schokolade und Banane und Erdbeere und....... ich mag alles“.

 

Gemütlich schlendern sie zum Restaurant. Drinnen ist es angenehm kühl und es sind sehr viele Leute da, die meisten sitzen an Tischen und essen, andere stehen in einer Schlange mit einem leeren Teller in der Hand. Die warten noch auf ihr Essen. Emil nimmt die Hand von Opa und zieht ihn mit sich, „komm hier gibt es noch einen leeren Tisch, wenn wir keinen Platz bekommen dann gibt es kein Eis, Mama sagt man muss sich hinsetzen zum essen sonst kleckert man alles voll“. „Deine Mama ist eine kluge Frau“, Opa schmunzelt „setz dich hin ich bringe dir ein Eis mit, hier ist Selbstbedienung daher muss man sich sein Essen selbst holen“.

Emil setzt sich an den Tisch und schaut sich um. Es fällt ihm sichtlich schwer sitzen zu bleiben aber die Aussicht auf ein leckeres Eis verhilft ihm dann doch sich ruhig zu verhalten.

 

Kurze Zeit später kommt Opa Emil zurück, er trägt ein Tablett mit einem riesigen Eisbecher, einer Tasse Kaffee und einer Zeitung.

Emils Augen glänzen, so einen Großen Eisbecher durfte er noch nie essen. Hier sind Schokoladen- und Vanilleeis, Schokoladenstückchen und bunte Zuckerkugeln. Hmmmm. Ganz behutsam nimmt er den Löffel und führt ihn zum Mund, Hmmmmmm, einfach lecker. Er vergisst die Welt um sich herum. Im Moment zählt nur dieses köstliche Eis. Löffel für Löffel verschwinden in seinem Mund bis der Becher leer ist, oder fast leer. Ganz unten im Glas schwimmen noch einige Schokostückchen in einem flüssigen Brei aus Schoko- und Vanilleeis. Emil schaut kurz zum Opa, der ist ganz vertieft in seine Zeitung. Behutsam hebt Emil das Glas an und setzt es an den Mund, Hmmmm, so lecker, der letzte Eisbrei tropft in seinen Mund und....,’oh Schreck’ tropft ganz sanft auf seine weiße Hose. „Upps was nun?“ der Opa schaut auf und staunt nicht schlecht, sein Blick wandert von der schokoladenverschmierten Schnauze bis zu der schokoladenbekleckerten Hose und zu zurück. „Da warst du wohl zu gierig, jetzt hilft nur noch waschen. Ab in den Waschraum und wasch dir dein Gesicht sauber. Emil hat ein schlechtes Gewissen aber das leckere Eis überwiegt alles andere. Er steht langsam auf und geht in den Waschraum. Er ist ganz alleine hier drinnen. Außer 5 großen Waschbecken gibt es auch ein kleineres was in Emils Höhe angebracht ist. Das ist bestimmt für Kinder oder für kleine Erwachsene. Emil zieht sich einige Papiertücher aus dem Apparat und beginnt sich zu waschen. Zuerst seift er sein Gesicht ein und wäscht es dann mit Wasser ab. Er tupft sich trocken. Das ging ja schnell, er schaut an sich herunter und schaut sich seine Hose an. Wenn die Schokolade im Gesicht weg ist dann muss das ja auch bei der Hose funktionieren. Er nimmt richtig viel Seife und schmiert die Schokostellen ein. So richtig gut sieht das jetzt aber nicht aus aber mit Wasser verschwinden die Flecken bestimmt. Doch auch das Wasser kann keine Wunder bewirken, die Flecken sind aber auch hartnäckig. Emil beugt sich kurz übers Waschbecken damit das Wasser endlich die Flecken wegspült. Aber leider die Flecken bleiben und die Hose ist jetzt klitschnass. Emil reißt weitere Papiertücher aus dem Apparat und versucht so seine Hose wieder trocken zu bekommen, aber das Einzige was passiert, das Papier rubbelt sich ab und die Papierfusseln bleiben an der Hose kleben.

 

Die Tränen schießen Emil in die Augen, vergessen ist das leckere Eis, im Moment fühlt er sich als kleiner hilfloser Junge. Wie soll er je wieder hier raus mit der Hose. Ich muss doch zur Tante Lily nach Wien aber ich darf bestimmt nicht mehr in den Bus, so wie ich jetzt ausschaue. Die Tränen laufen jetzt in Bächen aus seinen Augen.

 

Nach einiger Zeit öffnet sich die Tür und der Opa schaut rein: „Wo bleibst du.....“, die Worte bleiben ihm im Mund stecken, er schaut sich um: „Mein Gott was hast du angestellt, warst du baden? Aber jetzt mal im Ernst, so kannst du hier nicht raus, ich bin gleich wieder zurück und in der Zwischenzeit räumst du die Papiertücher vom Boden in den Abfalleimer und bitte kein Wasser mehr....!“

 

Emil schaut sich um, unzählige nasse und trockene Papiertücher sind über den ganzen Boden verstreut. Er sammelt alle ein und schmeißt sie in den Abfalleimer, dieser quillt jetzt über mit all dem Papier. Emil hebt den Fuß um einmal nachzudrücken...

 

„Stopp, jetzt lass aber gut sein, nachher hast du auch noch einen Eimer am Fuß. Hier ich habe ein Hemd gekauft. Wir legen jetzt einige Papiertücher unter deine Hose damit der Stoff nicht an der Haut klebt dann ziehst du das Hemd drüber und dann aber schnell wieder in den Bus. Der Fahrer wartet schon geraume Zeit“.

 

Gesagt, getan, Emil schaut sich das Hemd an, Wow es ist über und über voll mit Cars-Autos, toll. Es ist leider etwas groß aber so versteckt es alle Flecken an der Hose. Er fühlt sich toll mit diesem schönen, neuen Hemd, vergessen sind alle Schokoflecken und......., er fühlt sich jetzt wieder stark.

 

Nach Opa Emil klettert er in den Bus und setzt sich auf seinen Platz. Sofort setzt sich der Bus in Bewegung.

 

Emil freut sich jetzt auf Wien, auf seine ersten Ferien ohne seine Eltern. Er schaut kurz den Opa an, dieser schaut lächelnd aus dem Fenster. Warum lächelt der Opa?, ich war doch nicht richtig brav, ich darf bestimmt nie wieder alleine irgendwohin fahren. Emil schließt die Augen, er schämt sich schon ein bisschen da kann sogar das neue Hemd auch nichts ausrichten. Ganz erschöpft schläft er ein und träumt von riesigen Eisbechern, Eis tropft vom Dach, alles ist klebrig und glitschig.

 

„Na Jungchen, gut geschlafen?“, Emil schreckt hoch. „In wenigen Minuten erreichen wir den Südbahnhof, da steigen wir beide aus.“

 

„Jetzt schon, das ging aber schnell“, Emil reibt sich die Augen und im nächsten Moment ist er hellwach. Er hüpft auf seinem Sitz hin und her, „ich kann die Tante Lily schon sehen, schau mal, da hinten die Frau mit dem lila Hut, das ist meine Tante Lily“.

 

Der Bus fährt auf den Parkplatz und die Tür öffnet sich. Emil springt auf und beinahe hätte er seine Kappe und seinen Rucksack vergessen, er rafft alles unter den Arm und springt aus dem Bus, beinahe seiner Tante auf den Fuß.

 

„Na du Räuber hattest du eine angenehme Reise?“ Emil überlegt kurz und dann sprudelt es aus ihm heraus: „Ja es war toll, ganz und gar nicht langweilig, ich habe ein neues Hemd und ich........“ „Komm“ Tante Lily nimmt ihn bei der Hand „jetzt fahren wir schnell nach Hause, ich habe eine gute Suppe gekocht damit du nicht mit leerem Bauch ins Bett  musst und morgen erzählst du mir dann deine Abenteuer. Moritz schläft bestimmt schon ganz fest.“

 

Emil klettert zur Tante Lily ins Auto, er fühlt sich jetzt doch etwas müde und freut sich schon auf seinen Cousin Moritz. Ja morgen, morgen will er der Tante alles erzählen.