Bieren aus Lëtzebuerg

 

 

 
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Kleng Geschichten
 
Emil und Lilli
 

Nun ist der von Emil heiß ersehnte Tag endlich gekommen: Die großen Ferien sind zu Ende und er darf wieder zur Schule: Hurra, Schule ist mehr als Lesen, Schreiben, Rechnen, nein Schule ist Alltag mit Freunden, Fußballspielen in der großen Pause. Schule ist Max, Timo, Marie und Sven. Schule ist toll.

Am 15. September ist Emil schon sehr früh wach, er springt aus dem Bett, draußen scheint die Sonne und Emil rennt ins Badezimmer. Als er die Tür öffnet kommt Mama raus, „Emil ich habe dir die weiße Hose hingelegt und deine rote Kappe, die willst du doch bestimmt tragen oder? Ich gehe runter und bereite das Frühstück vor“.

Emil seift sich ordentlich ein, kämmt sich die Haare, „Zähne waschen nicht vergessen“ ruft Mama aus der Küche hoch. „Ok“. Danach schlüpft Emil in seine weiße Hose und siehe da sie passt noch. Schade, obwohl er diese Hose liebt wäre es ihm doch lieber gewesen, wenn die Hose zu klein gewesen wäre. Emil ist der Kleinste in seiner Klasse und das ist ganz schön blöd.

Einige Zeit später trottet Mama mit Emil zur Schule. Emil trägt seinen neuen Ranzen und er ist total stolz. Mama hat versprochen, dass Emil alleine zur Schule gehen darf aber am ersten Tag will sie es sich nicht nehmen lassen und ihren Sohn begleiten.
„Emil, jetzt lauf nicht so schnell, ich kann dir ja nicht folgen“. Emil verlangsamt seine Schritte ein bisschen um dann aber sofort wieder das Tempo zu steigern. Mama keucht hinter ihm her. Dann haben sie auch schon das Schulgebäude erreicht und man hört das Schreien der Kinder. Emil lässt Mama einfach stehen und rennt zu seinen Freunden.

Schon kurze Zeit später ertönt die Klingel, das heißt der Unterricht beginnt. Emil winkt einmal kurz zu Mama hin und quetscht sich dann an einer Gruppe von großen Schülern vorbei um gleich bei Max und Timo in der Reihe zu stehen.

Die Klassentür öffnet sich wie von Geisterhand und Frau Bär geht schnell einen Schritt bei Seite sonst hätte Max sie noch umgerannt. Und wie sollte es anders sein Max, Timo, Emil und Marie sitzen in der ersten Reihe und reden wild durcheinander. Alle Schüler haben ihren Platz gefunden nur ein Mädchen steht noch verloren bei der Tür und Weiß nicht so recht wohin. Sie ist etwas grösser als die anderen Schüler, trägt eine rote Schultasche unter dem Arm und auf dem Kopf eine rote Schleife.

Emil entdeckt sie als erster. „Frau Lehrerin da hat sich ein Mädchen verirrt, die gehört nicht hierher“.
„Frau Bär geht hin und nimmt das Mädchen bei der Hand. ‘Dies hier ist Lilli, sie

ist neu in unserer Klasse. Ich würde mich freuen, wenn sie in der ersten Reihe sitzen könnte vielleicht setzt sich einer von euch nach hinten dann kann Lilli hier vorne Platz nehmen. Timo steht sofort auf und lässt sich geräuschvoll in der 2. Reihe nieder. Lilli setzt sich auf den leeren Platz, gleich neben Emil.

Frau Bär steht jetzt vor der ganzen Klasse „Emil, du bist ja ein ganz Vernünftiger, du kümmerst dich dann ein wenig um Lilli, sie ist ganz neu hier und kennt sich noch nicht aus“.
„Ja aber sie ist viel grösser als wir dann muss sie ja auch gescheiter sein und soll ich auch mit ihr auf die Mädchentoilette?“ „Emil, jetzt sei aber mal gescheit das übernimmt eins von den Mädchen“. Frau Bär lächelt Emil an: „Emil du bist ja nicht grad der Größte hier in der Klasse aber du bist doch ein ganz gescheiter und das kannst du jetzt auch gleich beweisen“ dann dreht sie sich zur Tafel um. Emil schmollt, da hat Frau Bär aber seinen wunden Punkt getroffen, Emil ist etwas kleiner als seine Freunde, aber das hat bis jetzt nie eine Rolle gespielt, warum muss die Frau Lehrerin das vor der ganzen Klasse hervorheben. Überhaupt ist jetzt alles doof, warum muss diese blöde Lilli hier sein und auch noch den Platz von Timo einnehmen. Emil schaut sich um und auch Timo sieht nicht ganz glücklich aus. Seit 2 Jahre sind sie beste Freunde, sie lernen zusammen, sie spielen zusammen. Max beugt sich zu Emil und flüstert ihm zu: Du wirst sehen, die bleibt nicht lange hier sitzen. Emil versteht nicht sofort was sein Freund meint aber er nickt zustimmend.

In der großen Pause stehen wieder alle zusammen und machen ihrem Ärger Luft. 5 beste Freunde und dann drängt sich diese blöde Lilli dazwischen. Wie konnte Frau Bär ihnen das nur antun.

Die Tage vergehen, der Schulalltag ist wieder eingekehrt. Sven versuchte ein paar Mal die Lehrerin darauf aufmerksam zu machen, dass er nicht an die Tafel sehen kann, weil Lilly viel zu groß sei und dann auch noch mit dieser Schleife auf dem Kopf. Frau Bär überhört ganz einfach die Bemerkungen und als es ihr dann doch zu bunt wird bittet sie Sven etwas zur Seite zu rutschen damit ihm auch ja nichts an der Tafel entgehen konnte.

Einige Tage später, in der Pause, bittet Frau Bär Emil ihr doch bitte ihren Schlüssel vom Schreibtisch zu holen. Lustlos trottet Emil ins Schulzimmer, der rote Ranzen von Lilly hängt an einem Hacken an ihrem Tisch. Emil stößt dagegen und der Ranzen fällt auf den Boden. Erschrocken will Emil ihn wieder hinstellen aber dann sieht er das Püppchen im Ranzen. Langsam nimmt er die Puppe heraus und will sie dann aber schnell wieder hineinlegen als er die Stimme von Frau Bär hört. Er legt die Puppe auf den Tisch, schnappt sich die Schlüssel und rennt hinaus.

Nach der großen Pause als sich die Kinder wieder in die Schulräume begeben liegt die Puppe auf dem Platz von Lilli. Zuerst ist Emil erschrocken, ihm wird

bewusst, dass er es war der die Puppe hier liegen gelassen hat. Lilli läuft rot an und versuchte so schnell wie möglich die Puppe wieder in ihren Ranzen zu stecken, aber leider hatte es jeder gesehen. Sven ruft laut in die Klasse: „Frau Lehrerin, die Lilli ist ein Baby, sie spielt mit ihrer Puppe“. „Aber sie ist ein Riesenbaby“, schreit Max dazwischen.

Frau Bär runzelt die Stirn „jetzt ist aber genug, ich bitte um Ruhe sonst schreiben wir sofort eine Klassenarbeit dann könnt ihr euch abreagieren“, dann wendet sie sich an Lilli „und du Lilli, bitte lasse morgen deine Puppe zu Hause, wir sind hier in der Schule und nicht im Kindergarten“. „Aber….“ Lilli versucht etwas zu sagen, aber die Worte bleiben ihr im Hals stecken. Eine Träne läuft aus ihrem Auge, an der Nase entlang bis in ihren Mund. So etwas wie Mitleid macht sich bei Emil bereit aber dann schaut er in das grinsende Gesicht von Max und aus Mitleid wird Schadenfreude.

Während den nächsten Tagen dreht sich alles nur um Lilli, sogar Marie lässt sich dazu ein. „Lilli ist ein Riesenbaby“ singen die Freunde und Lilli wird von Tag zu Tag stiller. Sven hat sich einmal während der Pause ins Klassenzimmer geschlichen um nach der Puppe zu schauen aber der Schulranzen von Lilli ist leer. Im Unterricht ist alles wie immer nur, dass bei den Prüfungen Lilli immer die Beste ist, sei es im Rechnen oder Schreiben, sie ist immer Klassenbeste. Vorher war Emil Klassenbester aber jetzt kommt er nicht an Lilli vorbei, sie kann alles besser. Sie kann besser rechnen, sie schreibt ganz ohne Fehler, sogar wegen ihrer Schrift wird sie gelobt. Sie kann gut malen und sogar singen kann sie.

Lilli ist doof, doof, doof. Emil ist wütend. Nicht nur, dass sie grösser ist, sie ist auch besser in der Schule und überhaupt ist nichts mehr so wie es einmal war. Gestern hatten Marie und Lilli zusammen ein Bild gemalt und das hängt jetzt an der Wand im Klassenzimmer. Sogar Sven hat sich mir ihr angefreundet. Nur Max und Timo finden sie noch immer blöd.

In der großen Pause: „Frau Bär dürfen wir heute Fußball spielen? Bitte Frau Bär“ „Na gut, Timo holt den Ball aber nur wenn Lilli mitspielen darf“. Emil bleibt zuerst die Luft weg, Lilli soll mit Fußball spielen? „Aber die kann nicht Fußball spielen Frau Bär, die spielt lieber mit Puppen“. Frau Bär dreht sich zu Lilli um und fragt:“ Lilli sag du uns bitte, möchtest du gerne mit Fußball spielen?“ Lilly duckst herum. Jetzt übernimmt Max „Lass sie doch mitspielen, wenn wir noch lange herum diskutieren dann ist die Pause zu Ende“. Alle laufen zum hinteren Teil des Hofes. Timo schmeißt den Ball und sofort laufen alle hin und her. Emil liebt es hier zu kicken, er ist der Beste, schießt ein Tor nach dem anderen. Dann steht es 5 zu 5 und gleich ist die Pause zu Ende. Los Emil schieße, und Emil schießt und der Ball läuft am Tor vorbei. Von hinten kommt

Lilli, erreicht den Ball und kickt ihn gekonnt ins andere Tor. 5 zu 6. Max schreit: „Emil du bist eine Null, jetzt haben wir verloren“.

Nach der Pause ist Rechnen angesagt. Emil kann sich einfach nicht konzentrieren. Er verrechnet sich immer wieder und bekommt eine Extrahausaufgabe. Seine Gedanken drehen sich nur noch um Lilli, jetzt hat sie alle seine Freunde auf ihrer Seite, doof, doof. Emil ist einfach nur wütend. Er hasst dieses Mädchen, er hasst sie, weil sie gut rechnen kann, weil sie gut Fußball spielen kann und weil sie grösser ist als er.

Lilli taut langsam auf, sie lacht mit den anderen Schülern und im Unterricht ist sie immer ganz konzentriert und bekommt nur gute Punkte.

Dann kommt der 9. Dezember. Emil muss in der Großen Pause im Schulsaal bleiben da er eine Bronchitis hat. Emil wickelt sein Pausenbrot aus und beißt hinein. Dann nimmt er die Caprisonne und nimmt einen großen Schluck. Irgendwie ist ihm langweilig, er legt die Caprisonne auf den Stuhl von Lilli und schaut in ihren Schulranzen. Upps da ist sie ja wieder die Puppe. Ganz langsam zieht er die Puppe aus dem Ranzen. Soll er sie wieder reinstecken oder soll er sie auf dem Tisch liegen lassen? Verdient hätte sie es, Ja eigentlich wäre es nur gerecht aber dann weiß jeder, dass er, Emil, die Puppe hingelegt hat, also steckt er sie wieder in den Ranzen aber so, dass ein Arm herausschaut. Dann nimmt er die Caprisonne und sein Butterbrot und steckt alles wieder in die Frühstücksdose. Er hat keinen Hunger. Seine Gedanken drehen sich immer nur um Lilli, zu gerne hätte er ihr einen Denkzettel verpasst.

Es klingelt und alle anderen stürmen in den Klassensaal. Frau Bär steht schon an der Tafel und malt Wörter hin. Dann ruft sie Lilli an die Tafel. Als diese an der Tafel steht ist ihr blaues Kleid ganz nass. „Frau Bär, Lilli hat sich in die Hose gemacht“ Emil schreit es ganz laut, „ihr Stuhl ist auch ganz nass“. Lilly ist erschrocken und tastet mit der Hand ihren Rock ab. „Aber nein das war ich nicht“. Jetzt lacht die ganze Klasse. Max kann sich vor lachen nicht halten „Aber Lilli kein anderer kann in deine Hose pinkeln, hahaha“. „Frau Bär die Lilli hat auch wieder ihre Puppe dabei“ schreit jetzt Sven.
Lilli laufen die Tränen übers Gesicht, sie schaut ganz entsetzt auf die laut lachenden Mitschüler. Von einer Sekunde zur anderen ergreift sie ihren Ranzen und läuft zur Tür hinaus. Erst langsam beruhigen sich die Schüler und auch Frau Bär ringt um Fassung. „Emil, das war nicht besonders nett von dir, bitte komm nach vorne und dann wich den Stuhl mit Papier trocken“. „Ihhhhh, ekelig ich will nicht den Pippi von der Lilli abwischen“ Frau Bär schaut ganz böse und ihre Stimme wird ganz leise „Bitte Emil“. Emil erhebt sich ganz langsam, geht nach vorne und nimmt einige Lagen Papier von der Rolle und wischt dann über den Stuhl von Lilli. Dann schmeißt er das Papier in den Mülleimer. Irgendwie hat das gar nicht nach Pipi gerochen, sondern nach….. ja nach was eigentlich
richtig es roch nach Caprisonne. Emil wird bewusst, dass er seinen Saft auf den Stuhl von Lilli legte, bestimmt war etwas ausgelaufen.
Während dem Rest des Unterrichts war Emil ganz still und sogar nach der Schule ging er alleine heim. Zuhause blieb er den ganzen Tag in seinem Zimmer. Er hatte ja Bronchitis und so glaubte Mama ihm als er nicht essen will, er bekommt eine Tasse Tee und darf in seinem Zimmer bleiben.

Während den nächsten Tagen ist Lilli nicht in der Schule. Frau Bär sagt: Lilli ist krank und bleibt einige Tage zu Hause.

Emil plagt von Tag zu Tag sein schlechtes Gewissen. „Mama ich glaube ich habe etwas ganz Schlimmes gemacht“ Mama schaut ihren Sohn ganz erstaunt an „Ja Emil, was hast du denn so Schlimmes gemacht?“ Emil kann nicht mehr an sich halten und er erzählt der Mama alles, vom ersten Tag als Lilli in die Schule kam bis jetzt. Als er geendet hatte ist Mama ganz still. „Ja Emil da hast du schon etwas sehr Schlimmes gemacht, so etwas nennt man Mobbing und das wird richtig bestraft“. Emil schluchzt vor sich hin und kann es einfach nicht mehr verstehen warum er so wütend auf Lilli war „was soll ich denn jetzt machen Mama, muss ich jetzt ins Gefängnis? Was ist, wenn die Lilli jetzt nie wieder in die Schule kommen will oder vielleicht ist sie krank geworden, weil ich so böse war?“.
Mama nimmt ihren Sohn in den Arm „Emil, du brauchst nicht ins Gefängnis, du bist ja noch ein Kind aber du musst jetzt Verantwortung übernehmen, nur Du kannst das jetzt wieder in Ordnung bringen, Du musst dich bei der Lilli entschuldigen und du musst auch mit Frau Bär sprechen und mit deinen Freunden.“

Emil hat ganz schön Bammel davor mit Frau Bär zu sprechen. Am nächsten Morgen schlägt sein Herz immer schneller je näher er der Schule kommt. Dann sieht er auch schon Frau Bär vor dem Tor stehen. „Bitte Frau Lehrerin, ich muss Ihnen etwas sagen: Ich habe etwas ganz Schlimmes gemacht, ich, ich und dann erzählt er der Lehrerin alles. Als er geendet hatte nimmt Frau Bär ihn in den Arm: „Weißt du Emil, es war bestimmt nicht in Ordnung was du getan hast aber ich bin auch mitschuldig. Ich habe sehr wohl bemerkt, dass etwas nicht stimmte aber ich konnte es nicht so richtig deuten und dachte mir das regelt sich schon von selbst“. Emil schaut erstaunt zu seiner Lehrerin empor.
„Komm Emil, jetzt gehen wir in die Klasse und wir beide reden mit den anderen Schülern und dann bringen wir alles wieder in Ordnung“.
Alle waren bestürzt als ihnen bewusstwurde, dass sie Lilli doch so verletzt hatten aber Max, Sven und Timo waren am Boden zerstört. „Wir haben doch nur Spaß gemacht, niemand wollte etwas Böses“. „Ja das glaube ich“ Frau Bär schaut jetzt ganz ernst, „aber wisst ihr die Lilly war neu hier und sie wollte gerne Freunde haben und ihr habt sie verletzt, denn auch Worte können sehr verletzend sein“.
Die Stimmung wird immer bedrückender jetzt muss Frau Bär eingreifen.
Wisst Ihr was, jeder von euch malt jetzt ein Bild für Lilli und heute Nachmittag bringen Emil und ich ihr die Bilder und wir entschuldigen uns bei ihr. Was meint ihr? Alle machen sich mit Begeisterung an die Arbeit und sogar Max malt ein wunderschönes Bild.

Emil fühlt sich auf einmal so leicht ums Herz und er begreift nicht warum er so einen Hass auf die Lilli hatte, eigentlich war sie ja ganz nett.

Am Nachmittag trottet Emil an der Hand von Frau Bär zu Lillis Haus. Die Mama von Lilli macht ihnen die Tür auf und bringt sie in die gute Stube. Da sitzt Lilli bei einem Buch und ist ganz in die Geschichte vertieft. „Darum kannst du so gut lesen“ platzt Emil heraus und hat so ohne es zu wissen das Eis gebrochen. Den ganzen Nachmittag über reden und scherzen sie mit einander. Es gibt sogar heiße Schokolade und gegen Abend verspricht Lilli „Morgen werde ich wieder in der Schule sein, sitzen wir dann aber noch beieinander Emil“. „Natürlich auf jeden Fall Lilli, du bist ja meine Freundin.“

Von der Zeit an waren Emil und Lilli unzertrennlich, sogar im Fußballspielen kam keiner gegen sie an.

 

 
Ein Teddy namens Charly
 

„Charly, nun sitz endlich still und zappele nicht so rum“. Charly braucht sich nicht umzudrehen, er weiß ganz genau von wo diese dunkle Stimme kommt. Eigentlich ist es nur ein Brummen aber ein Teddybär versteht den anderen ganz genau. Teddys verstehen sämtliche Sprachen der Welt aber erst nachdem sie geliebt, gedrückt und geknuddelt wurden.

Die alte Emma sitzt schon ewig hier herum. Man munkelt sie hätte einem kleinen Mädchen gehört, was aber dann geschah darüber weiß niemand so richtig Bescheid. Auf jeden Fall muss sie schon ganz oft liebgedrückt worden sein weil sie ist ganz weise und die gute Seele hier in der Abteilung. Sie ist die Einzige die die Menschen versteht und sie sagt sie würde sich ihren Besitzer selber aussuchen.

Ich will mich kurz vorstellen, mein Name ist Charly, ich bin ein kleiner, wuscheliger, hellbeiger Teddybär und ich bin erst seit kurzem hier in der Abteilung eines ganz noblen Spielwarengeschäftes zusammen mit sehr vielen verschiedenen Teddybären. Es gibt große, kleine, dicke, bunte, flauschige Bären, ein ewiges Kommen und Gehen. Jeden Tag werden einige Bären verkauft und dann kommen wieder neue hinzu. Nur die alte Emma sitzt schon sehr lange hier. Ihr Pelz ist braun, ziemlich verstrubbelt und sie ist sehr groß.

Jeder von uns hofft dass er bald ein schönes Zuhause findet bei einem Menschen der uns liebt und uns knuddelt und drückt, wir alle wollen so ein richtig schönes Teddybärleben führen.

Leider scheint das nicht so einfach zu sein, richtige Liebe ist sogar schon unter den Kindern recht rar geworden. Neben mir sitzt ein grüner Bär, ein ganz arrogantes Kerlchen, er ist erst vor einigen Tagen eingezogen aber er ist sehr überzeugt von sich, ich wollte ich hätte ein bisschen von seinem Selbstbewusstsein denn ich bin eher etwas scheu und zucke immer zurück wenn jemand mich berühren will. Emma meint das würden die Leute spüren und daher würde ich bestimmt noch lange hier in der Abteilung bleiben.

Jeden morgen um halb neun öffnet der Laden seine Türen. Über den ganzen Tag hindurch kommen sehr viele Menschen herein, Männer, Frauen und Kinder. Die Kinder laufen immer zuerst in die Abteilung mit elektronischem Spielzeug um dann aber zum Schluss noch zu uns zu kommen und nicht selten verlässt uns dann wieder ein Bär. Sobald die Menschen dieses extra Funkeln in den Augen haben findet einer von uns ein neues Zuhause. Oft werden wir aber auch nur begrabscht, wir werden ziemlich unsanft aus dem Regal genommen, auf den Kopf gedreht um dann sofort wieder an unseren Platz gesetzt zu werden. Ich liebe das gar nicht und fühle mich dadurch so klein und unwichtig. Aber da muss wohl jeder Teddybär durch wenn er ein neues Zuhause haben will.

Heute, kurz nach 11 hat sich der erste Ansturm etwas gelegt und zurück bleibt nur ein großer Mann mit dunklem Mantel und weißem Schal, er ist elegant von dem Scheitel bis zur Sohle, sogar seine Stimme klingt sehr vornehm. Obwohl ich nicht verstehe was er sagt merke ich doch dass er auf seinen Sohn einredet, weich und voller Liebe, dieser
aber scheint ganz genau zu wissen was er will, er stampft mit dem Fuß auf den Boden und zeigt immer wieder mit dem Finger auf meinen grünen Nachbarn. Der Mann versucht ihn zu überreden aber nach einiger Zeit gibt er auf und ruft nach der Verkäuferin, diese hebt dann den Grünen aus dem Regal und setzt ihn in einen Geschenkkarton. Der Mann nimmt das Paket und beide verlassen den Raum.

Nach einiger Zeit kommt die Verkäuferin wieder und rückt mich etwas zur Seite, jetzt sitze ich näher bei der alten Ema und kann besser mit ihr reden:
„Emma, versteht jetzt auch der Grüne alle Sprachen?“ Emma legt die Stirn in Falten und schaut ziemlich düster drein, ich weiß nicht ob sie traurig oder ob sie verärgert ist.
„Der Grüne hat auch einen Namen Charly, er heißt Peter, eigentlich ein ganz gewöhnlicher Name für so einen ausgefallenen Bären, nein Charly ich glaube nicht dass er lernt die Sprachen zu verstehen, nur wenn jemand richtig geliebt wird und gedrückt wird, lernt er das.“
„ Aber der Junge wollte ihn doch unbedingt haben, glaubst du nicht dass er ihn dann auch liebt?“.
„Ach Charly Liebe ist etwas ganz Besonderes, nicht jeder ist fähig sie zu geben und glaube mir dieser verwöhnte Junge kann das nicht, der hat so viele Kuscheltiere und so viele Spielsachen dass er schon bald wieder etwas anderes haben will, dieser Bengel ist einfach übersättigt, er kann sich nicht einmal mehr an einem Teddy erfreuen, er hat ihn sich nur ausgesucht weil er anders ist, ich hoffe nur dass der arme Peter nicht misshandelt wird“.
Misshandelt?, darunter kann ich mir nichts vorstellen aber irgendwie klingt es gar nicht gut, ich bin auf einmal ganz still und nachdenklich. Bis jetzt war ich davon überzeugt dass, wenn jemand einen Teddy kauft er ihn dann auch liebt und ein Leben lang behalten will aber jetzt....
Die Tage vergehen, langsam geht es auf Weihnachten zu und immer mehr Teddys werden verkauft und immer mehr Neue kommen hinzu. Gestern saß noch ein weißes Teddymädchen neben mir und heute ist es ein rosarotes Bärchen, die meisten bleiben nur ein paar Tage. Ich werde langsam richtig traurig, warum will mich niemand haben?, ist es denn so schwer mich zu lieben?
Kurz nach dem 1. Advent herrscht morgens eine ganz komische Stimmung, eine seltsame Unruhe ist unter den Bären. Ich habe richtig Angst aber dann ist doch plötzlich die Neugier grösser als meine Angst und ich traue mich Emma zu fragen „Was ist denn los heute, irgendetwas ist anders, ist etwas Schlimmes passiert?“
„Ja Charly, du hast recht, dein Gespür ist sehr gut, du wirst bestimmt einmal ein ganz toller Freund. Jedes Jahr vor Weihnachten kommen alte Teddybären zurück die im Laufe der Zeit ein Auge verloren haben oder ein Ohr oder sonst irgendeine Verletzung haben, die werden dann hier wieder heile gemacht und entweder sie kehren zurück zu ihren Menschen oder sie kommen ins Kinderheim zu den armen Kindern. Aber“ Emma ringt um Fassung „dieses Mal ist ein Freund dabei....“, es entsteht eine Pause dann spricht Emma mit ganz leiser trauriger Stimme weiter „Peter ist dabei, ihm wurde ein Arm und ein Bein ausgerissen...und man fand ihn im Müll, er lag auf Essensresten und sein Fell ist ganz verfärbt, der arme Peter, niemand weiß ob er jemals wieder ganz gesund wird.“
Ich bin geschockt, wie kann nur jemand so etwas Schlimmes machen, der Junge hatte ihn sich doch extra ausgesucht und dann so etwas, meine reine Bärenseele hat einen Knacks bekommen, bis jetzt glaubte ich nur an das Gute im Menschen aber jetzt, ich nehme mir vor mich jetzt noch kleiner zu machen wenn Besucher kommen, viel lieber will ich hier sitzen bleiben als so schlimm misshandelt zu werden.
Kurz vor Weihnachten kommt Peter wieder zu uns, er hat wieder 2 Arme und 2 Beine, auch sein Fell ist wieder schön grün, eigentlich sieht er wieder genauso aus wie vorhin nur seine Augen blicken ganz traurig und er schreckt immer wieder zusammen wenn jemand die Hand nach ihm ausstreckt.
Am 22. Dezember morgens um 10 Uhr wird der letzte Bär verkauft, jetzt verbleiben nur noch Emma, Peter und ich, uns will niemand haben, ein bisschen Wehmut macht sich breit, ich würde so gerne geliebt werden aber wenn es dann doch der falsche Mensch ist der mich kauft, ich bin ganz durcheinander, weiß gar nicht mehr was ich will.
So gegen Mittag kommen 2 ältere Damen, sie schauen sich zuerst im Laden um dann aber kommen sie gezielt zum Bärenregal. Ganz leise sprechen sie miteinander und deuten auf mich, dann wieder auf Peter. Emma flüstert mir zu: „sie suchen 2 Bären für ihre Enkel, also ihr beiden jetzt zeigt euch von eurer besten Seite“.
Peter macht schon wieder ganz traurige Augen als plötzlich die eine Dame ihre Hand ausstreckt und ihn vorsichtig aus dem Regal hebt. Sie nimmt ihn ganz zart in den Arm und drückt ihn an sich. „Diesen kleinen Kerl nehme ich mit zu mir, er hat so traurige Augen und er ist etwas ganz Besonderes, den gebe ich nicht wieder her, mein Enkel bekommt das Auto das er sich wünscht, dieser Bär ist jetzt Meiner“. Ich schaue ganz gebannt auf die alte Dame als ich plötzlich höre wie Peter sagt: „ich kann alles verstehen, mein Gott es stimmt also doch dass Liebe alles bewirken kann, ich werde geliebt“. Ich freue mich so sehr mit Peter dass ich überhaubt nicht mitbekomme dass auch Emma verschwunden ist. Jetzt sitze ich ganz alleine und verloren auf meinem Regal, so ein kleiner Bär in einer riesigen Abteilung. Das scheint auch der Verkäufer zu merken und holt sofort 2 neue Kartons aus dem Lager und so füllen bald wieder viele neue Bären die Regale. Jetzt bin ich nicht mehr alleine.
Es ist Heiligabend und im Moment sind nur noch wenige Menschen hier, ich werde dann doch wohl bis zum nächsten Jahr hier bleiben müssen.
Doch dann eine halbe Stunde vor Ladenschluss kommt noch eine junge Mutter mit einem Kind. Der kleine Junge geht noch mit unsicheren Schritten an der Hand seiner Mutter. Beide wenden sich der Abteilung Spielzeugautos zu und während die Mutter mit der Verkäuferin redet tapst der kleine Mann an das Regal, er stellt sich auf Zehenspitzen aber er ist dennoch zu klein um an einen von uns zu reichen. Seine Mama dreht sich um und kommt näher dann nimmt sie ihren Sohn auf den Arm. Kleine Hände greifen gezielt nach mir und ziehen mich ziemlich unsanft aus dem Regal, dann werde ich gedrückt, gefolgt von vielen ganz nassen Küsschen.
Die Mutter wendet sich wieder an die Verkäuferin und sagt: (ich verstehe jedes Wort was sie sprechen) “Die Entscheidung ist gefallen, es ist Liebe auf den ersten Blick, mein Charly hat sich entschieden, dieser Bär soll es sein, ich glaube er behält ihn sofort im Arm, wir brauchen keine Verpackung.
Charly, der kleine Junge heißt Charly, ganz genau so wie ich, wenn das kein Zufall ist, ich bin so glücklich und ich weiß schon jetzt dass ich mein Zuhause gefunden habe.

 

 
Emil fährt nach Wien
 

Emil blinzelt, er reibt sich die Augen, ist das schon Sonnenlicht? Er blinzelt noch einmal und ist im nächsten Moment auch schon hellwach. Normalerweise will er nicht gerne aufstehen, kuschelt gerne noch eine Weile, aber heute, heute ist alle anders. Heute fährt Emil nach Wien, er ganz alleine, ohne seine Eltern und ohne seine Geschwister. Mein Gott ist das aufregend. Mit einem Satz ist er aus dem Bett. Neben dem Schrank steht schon der gepackte Koffer. Auf dem Stuhl neben dem Bett liegen fein säuberlich seine Reiseklamotten. Schnell rafft er alles zusammen und verschwindet im Badezimmer. In seiner Aufregung stößt er mit dem Fuß gegen den metallenen Abfalleimer. Upps, das wollte ich aber jetzt nicht. Er bückt sich um den Eimer wieder hinzustellen. Dann hört er auch schon die Stimme von Mama „Wer um Himmels Willen macht da so einen Lärm, es ist mitten in der Nacht, ganz genau viertel nach fünf“. Emil reibt sich noch einmal die Augen, viertel nach fünf? Noch so früh. Schnell lugt er durch die geschlossenen Läden. Tatsächlich draußen ist es noch ganz dunkel, nur das Licht der Straßenlaterne ist zu sehen. Mit hängendem Kopf schleicht er wieder in sein Zimmer. Was soll ich machen: ich bin ja überhaupt nicht mehr müde. Er legt sich wieder ins Bett und zieht die Decke bis über die Nase. Ich kann ganz bestimmt nicht mehr einschlafen, ich bin ja hellwach...

„Emil ! Emil! Aufstehen! Na du Schlafmütze komm schnell, Frühstück steht schon auf dem Tisch und du musst heute ganz besonders gut frühstücken“.

Emil reibt sich die Augen, was ist denn jetzt schon wieder los, es ist doch nach ganz dunkel draußen... Er blinzelt, fährt sich mit der Pfote über die Augen, nanu, es ist hell, ich habe doch nicht geschlafen oder?

In der Küche sitzt Mama und Ben, sein jüngerer Bruder, schon am Tisch. Mama ist soeben dabei Brote zu schmieren und in Dosen einzupacken. „Na du Schlafmütze? Komm wir frühstücken und dann bringen wir dich zum Bus“.

„Ich will Honig und Marmelade und... nein ich glaube ich kann überhaupt nicht essen, da ist so ein komischer Klotz in meinem Magen, ich denke da passt kein Brot mehr rein“. „Quatsch das ist die Aufregung“ sagt Mama. „Versuche einfach ruhig zu atmen und versuche das Honigbrot“. Emil leckt einmal kurz über sein Brot. Hmmm lecker, schnell beißt er ein Stück ab. „Ich liebe Honigbrot“. „Na siehst du. Jetzt noch schnell waschen und Zähne nicht vergessen, ich verstaue in der Zwischenzeit deinen Koffer im Auto. Deine Brote und etwas zum Trinken habe ich in deinen Rucksack gepackt”

Emil stürmt die Treppen hoch. In Windeseile seift er sich das Gesicht ein, jetzt hat er sich auch noch Seife in die Augen gerieben, Aua, das brennt fürchterlich. Nach fünf Minuten steht er wieder unten, frisch und sauber angezogen, seine beste Hose hat er an und die rote Kappe, die Mama ihm extra für die Reise kaufte. Jetzt kann er nicht mehr ruhig stehen, er hopst von einem Bein aufs andere. „Nun zapple nicht so rum, Ben sitzt schon im Auto, komm wir fahren“.

Kurze Zeit später sind sie auch schon an der Bushaltestelle angekommen. Da steht ein großer roter Bus mit gelber Schrift. Viele Menschen drängen zur Tür ins Innere um es sich im Bus bequem zumachen. Der Fahrer verstaut Emils Koffer im riesigen Kofferraum und dreht sich dann um „Du also bist der kleine Emil und willst uns nach Wien begleiten, ich habe dir ein schönes Plätzchen freigehalten, hier gleich in der 2. Reihe bei dem älteren Herrn, der wird schon ein Auge auf dich haben. Emil klettert in den Bus und sieht auch schon seinen Platz bei dem Opa. Der lacht ihn ganz freundlich an und tippt auf den Sitzt neben sich. „Komm Jüngelchen, wir beide werden das Kind schon schaukeln, komm mach es dir bequem. Emil ist nicht ganz wohl bei dem Gedanken, bei einem ihm fremden Mann so eine lange Reise anzutreten, aber Mama scheint ganz beruhigt zu sein, sie drückt ihm ein Küsschen aufs Ohr und sagt ganz leise: „Morgen früh werden wir telefonieren wenn du bei Tante Lily in Wien bist. Du wirst bestimmt schöne Ferien haben. Mach es gut mein Sohn, bis in 2 Wochen, wir haben dich ganz lieb“. Mama steigt aus und schnell schließen sich die Bustüren wie von Geisterhand. Beim Losfahren sieht Emil noch Mama winken und Ben, er winkt mit beiden Armen und hüpft dabei jedes Mal ganz hoch.

Die Aufregung ist verschwunden, Emil fühlt sich ganz alleine, obwohl der Bus bis zum letzten Platz besetzt ist. Er hätte am liebsten geweint, traut sich dann aber nicht, ein großer Junge weint ja nicht. Aber das Herz ist ihm schon schwer, er wirft schnell einen Blick zu Seite. Der Opa schaut aus dem Fenster. Er trägt einen Strohhut und eine Brille, dazu ein rotkariertes Hemd und eine braune Hose die mit Hosenträgern gehalten wird. Auf seinen Knien liegt eine blaue Tasche.

„Aber Jungchen, du brauchst ja nicht zu weinen, wir beide werden uns schon gut verstehen“ Emil wischt sich schnell die Tränen aus den Augen, ihm war gar nicht bewusst gewesen dass er weinte. „Tut mir leid aber ich war noch nie alleine von zu Hause weg“, seine Stimme versagt er kämpft erneut mit den Tränen. „Das braucht dir nicht leid zu tun, für seine Tränen braucht man sich nicht zu schämen, aber jetzt sag einmal wie heißt du denn eigentlich, ich kann doch nicht immer Jungchen zu die sagen“ Emil schluckt, „ich heiße, Emil“. Der Opa lacht ganz laut, so laut dass Emil zu erst erschrickt. „Weißt du was Emil, ich heiße auch Emil, Emil Schmid, ja wenn das kein Zeichen ist dass wir uns gut verstehen, dann weiß ich auch nicht“. „Darf ich dann Opa Emil zu dir sagen?“ „Natürlich ganz gerne, ich bin ja auch ein Opa. Ich fahre zu meinem Enkel nach Wien, der studiert da, ist ein gescheiter Junge“. Emil weiß gar nicht was es heißt zu studieren, aber es muss schon etwas ganz Wichtiges sein, wenn der Opa Emil so stolz von seinem Enkel berichtet.

Emil schaut sich im Bus um neben seinem Sitz gibt es 2 Knöpfe, er hätte zu gerne gewusst wofür diese Knöpfe da sind. Über ihm ist eine Lampe die aber aus ist, dann gibt es noch einige weitere Knöpfe aber er traut sich dann doch nicht einen zu drücken. Mama hatte ihm extra gesagt, er solle ein braver Junge sein, Erwachsenen nicht ins Wort fallen und auch nicht alles anfassen was er sieht. Nicht alles sagte Mama, vielleicht könnte ich dann doch probieren einen von den unteren Knöpfen zu drucken, nur ganz kurz und auch nur ganz leicht. Die Rückenlehne des Sitzes geht ganz leicht in Liegestellung, nur noch einmal ganz kurz drücken und schon schreit die Frau hinter ihm. „Spiel nicht an deinem Sitz herum, ich habe ja keinen Platz mehr für meine Beine. Emil ist total erschrocken, er traut sich gar nicht mehr noch einmal einen Knopf zu drücken. „Mach dir nichts draus“ lacht Opa Emil und stellt den Sitz wieder normal. Dann erklärt er wofür all diese Knöpfe da sind, einen zum Sitz legen, der andere um ihn wieder hoch zu stellen. Die Lampe oben ist zum Lesen, dann gibt es einen Lautsprecher, einen Knopf wo man die Entlüftung regulieren kann, es gibt Kopfhörer und noch einiges mehr. Emile ist begeistert, in so einem tollen Bus ist er noch nie gefahren. Dann erklärt ihm der Opa noch dass es auch eine Toilette gibt im Bus und sogar einen Fernseher. Dieser Bus ist ein 5-Sterne Bus. Emil schaut sich um wo gibt es denn diese 5 Sterne, vielleicht sind die ja versteckt und man muss sie suchen.

Der Bus fährt ganz ruhig, manchmal ruckelt es ein bisschen. Emil schaut aus dem Fenster. Draußen ziehen Wiesen und Felder vorbei, manchmal sieht man ein einsames Haus aber das ist es auch schon. Eigentlich ist Busfahren total langweilig. Bestimmt ist dem Opa auch langweilig denn plötzlich wird auch er ziemlich müde und schließt seine Augen. Dann schnarcht er leise um gleich darauf kurz zu pfeifen. Dabei senkt sich sein Bauch auf und ab. Emil schaut sich um, mehr als die Hälfte der Reisenden sind eingeschlafen, die anderen schauen ganz gelangweilt zum Fenster hinaus und die wieder andere schauen sich ein Buch an.

Emil rutsch ziemlich unruhig auf seinem Sitz hin und her, ihm ist langweilig, er beschließt sich die Bordtoilette anzuschauen. Langsam geht er den Gang des Buses entlang, niemand beobachtet ihn. Er schaut sich alles genau an und schon hat er auch die Toilette erreicht. Langsam öffnet er die Tür nur einen Spalt breit, upps da ist es ja ganz dunkel, er drückt die Tür ganz auf und schon ist es taghell. Toll, wieso weiß die Toilette dass man hinein will. Emil wiederholt noch ein paar mal dieses Spiel, wenn der die Tür schließt geht das Licht aus, wenn er die Tür wieder öffnet leuchtet auch sofort wieder das Licht. Bestimmt es gibt es noch ganz spannende Sachen in so einer Toilette. Sobald er drinnen ist, schließt die Tür aber das Licht bleibt an. Emil ist begeistert. Er schaut sich um, es gibt eine Toilette die innen ganz blau ist und irgendwie unheimlich leuchtet. Er kennt eigentlich nur weiße Toiletten, aber diese hier ist schon etwas besonderes, dann gibt es ein Waschbecken. Er streckt den Arm aus um den Hahn aufzudrehen und schon beginnt das Wasser zu laufen. Zuerst ist er so erschrocken dass er sofort wieder raus wollte doch dann überwiegt die Neugier. Er probiert es immer wieder. Wenn seine Pfote auch nur in die Nähe des Hahnes kommt beginnt das Wasser zu sprudeln. Toll. Emil beginnt die Toilette zu untersuchen, vielleicht läuft das Wasser hier auch automatisch, nein nichts tut sich. Vielleicht muss man richtig viel Pipi machen damit das Spülwasser läuft. Er schaut sich um, da steht ja ein Abfalleimer, vielleicht wenn ich den mit Wasser fülle und in die Toilette schütte glaubt die Toilette ich habe richtig viel Pipi gemacht. Im Eimer liegt nur ein zerknülltes Papiertaschentuch, dieses legt er in die Ecke und beginnt den Eimer mit Wasser zu füllen. Kurz bevor er das Wasser in die Toilette schütten konnte öffnet sich die Toilettentür und eine schrille Stimme reißt ihn aus seinem konzentrierten Tun „Was soll das denn, zuerst bist du 20 Minuten hier drin und jetzt ...“ Die Dame reißt ihm den Eimer aus der Hand und drückt mit dem Fuß auf ein Pedal, sofort sprudelt das Wasser in der Toilette. „So jetzt aber raus hier andere Leute müssen auch mal“. Emil verlässt die Toilette mit gesengtem Kopf und schleicht auf seinen Platz zurück. Der Opa schläft noch immer.

Emil hätte zu gerne gewusst wann der Bus denn nun in Wien sein würde aber wen könnte er fragen? Der Opa schläft und die Frau hinter ihm möchte er auch nicht fragen. Vielleicht könnte er ja zum Fahrer hin, der müsste das doch wissen. Er tapst ganz langsam zum Fahrer. „Entschuldigung aber wie lange dauert es noch bis wir in Wien sind?“ Der Fahrer schaut kurz zur Seite: „Im Bus muss jeder auf seinem Platz sitzen bleiben, es ist viel zu gefährlich wenn man hin und her läuft, wir sind jetzt knapp in der Mitte der Reise, also es wird schon noch dauern, jetzt geh schnell wieder auf deinen Platz.“

Langweilig, so eine Busreise ist total langweilig, Emil gähnt, draußen gibt es nur Straße und Autos und Straße und Autos, manchmal ein Haus, ein Baum aber das ist es dann auch schon. Das einzige Spannende hier ist die Toilette aber da darf er auch nicht mehr hin.

„Hier spricht ihr Fahrer, in fünf Minuten werden wir eine Pause machen, sie können sich dann die Füße vertreten, etwas essen und trinken. In einer halben Stunde fahren wir dann weiter und so gegen 10 Uhr werden wir dann unser Ziel in Wien erreichen. Am Südbahnhof setzen wir 2 Personen ab und fahren dann sofort weiter ins Hotel“.

Der Opa ist aufgewacht bei der Durchsage. „Was ist los?, Habe ich etwas verpasst?“ „Wir werden eine Pause machen“. Emil ist schon ganz zappelig, er rutscht auf seinem Sitz hin und her. Endlich darf er aufstehen.

Kurze Zeit später ruckelt der Bus auf einen großen Parkplatz zu, er wendet einmal um dann zwischen 2 anderen Bussen einzupacken. Die Türen öffnen sich. Emil springt vom Sitz hoch und schon ist er draußen, die Sonne scheint ihm ins Gesicht. Es ist richtig warm. Am liebsten wäre er sofort rumgerannt aber er traut sich dann doch nicht, hier fahren viele Autos und Busse rein und raus. Also wartet er geduldig bis Opa Emil ausgestiegen ist. „Was machen wir jetzt“, gibt es hier einen Spielplatz?“

„Jetzt mal langsam, Jungchen, ich spendiere dir ein Eis, magst du Eis und welches magst du am liebsten?

„Ooohhh Eis, ich liebe Eis, ich mag Schokolade und Banane und Erdbeere und....... ich mag alles“.

Gemütlich schlendern sie zum Restaurant. Drinnen ist es angenehm kühl und es sind sehr viele Leute da, die meisten sitzen an Tischen und essen, andere stehen in einer Schlange mit einem leeren Teller in der Hand. Die warten noch auf ihr Essen. Emil nimmt die Hand von Opa und zieht ihn mit sich, „komm hier gibt es noch einen leeren Tisch, wenn wir keinen Platz bekommen dann gibt es kein Eis, Mama sagt man muss sich hinsetzen zum essen sonst kleckert man alles voll“. „Deine Mama ist eine kluge Frau“, Opa schmunzelt „setz dich hin ich bringe dir ein Eis mit, hier ist Selbstbedienung daher muss man sich sein Essen selbst holen“.

Emil setzt sich an den Tisch und schaut sich um. Es fällt ihm sichtlich schwer sitzen zu bleiben aber die Aussicht auf ein leckeres Eis verhilft ihm dann doch sich ruhig zu verhalten.



Kurze Zeit später kommt Opa Emil zurück, er trägt ein Tablett mit einem riesigen Eisbecher, einer Tasse Kaffee und einer Zeitung.

Emils Augen glänzen, so einen Großen Eisbecher durfte er noch nie essen. Hier sind Schokoladen- und Vanilleeis, Schokoladenstückchen und bunte Zuckerkugeln. Hmmmm. Ganz behutsam nimmt er den Löffel und führt ihn zum Mund, Hmmmmmm, einfach lecker. Er vergisst die Welt um sich herum. Im Moment zählt nur dieses köstliche Eis. Löffel für Löffel verschwinden in seinem Mund bis der Becher leer ist, oder fast leer. Ganz unten im Glas schwimmen noch einige Schokostückchen in einem flüssigen Brei aus Schoko- und Vanilleeis. Emil schaut kurz zum Opa, der ist ganz vertieft in seine Zeitung. Behutsam hebt Emil das Glas an und setzt es an den Mund, Hmmmm, so lecker, der letzte Eisbrei tropft in seinen Mund und....,’oh Schreck’ tropft ganz sanft auf seine weiße Hose. „Upps was nun?“ der Opa schaut auf und staunt nicht schlecht, sein Blick wandert von der schokoladenverschmierten Schnauze bis zu der schokoladenbekleckerten Hose und zu zurück. „Da warst du wohl zu gierig, jetzt hilft nur noch waschen. Ab in den Waschraum und wasch dir dein Gesicht sauber. Emil hat ein schlechtes Gewissen aber das leckere Eis überwiegt alles andere. Er steht langsam auf und geht in den Waschraum. Er ist ganz alleine hier drinnen. Außer 5 großen Waschbecken gibt es auch ein kleineres was in Emils Höhe angebracht ist. Das ist bestimmt für Kinder oder für kleine Erwachsene. Emil zieht sich einige Papiertücher aus dem Apparat und beginnt sich zu waschen. Zuerst seift er sein Gesicht ein und wäscht es dann mit Wasser ab. Er tupft sich trocken. Das ging ja schnell, er schaut an sich herunter und schaut sich seine Hose an. Wenn die Schokolade im Gesicht weg ist dann muss das ja auch bei der Hose funktionieren. Er nimmt richtig viel Seife und schmiert die Schokostellen ein. So richtig gut sieht das jetzt aber nicht aus aber mit Wasser verschwinden die Flecken bestimmt. Doch auch das Wasser kann keine Wunder bewirken, die Flecken sind aber auch hartnäckig. Emil beugt sich kurz übers Waschbecken damit das Wasser endlich die Flecken wegspült. Aber leider die Flecken bleiben und die Hose ist jetzt klitschnass. Emil reißt weitere Papiertücher aus dem Apparat und versucht so seine Hose wieder trocken zu bekommen, aber das Einzige was passiert, das Papier rubbelt sich ab und die Papierfusseln bleiben an der Hose kleben.

Die Tränen schießen Emil in die Augen, vergessen ist das leckere Eis, im Moment fühlt er sich als kleiner hilfloser Junge. Wie soll er je wieder hier raus mit der Hose. Ich muss doch zur Tante Lily nach Wien aber ich darf bestimmt nicht mehr in den Bus, so wie ich jetzt ausschaue. Die Tränen laufen jetzt in Bächen aus seinen Augen.

Nach einiger Zeit öffnet sich die Tür und der Opa schaut rein: „Wo bleibst du.....“, die Worte bleiben ihm im Mund stecken, er schaut sich um: „Mein Gott was hast du angestellt, warst du baden? Aber jetzt mal im Ernst, so kannst du hier nicht raus, ich bin gleich wieder zurück und in der Zwischenzeit räumst du die Papiertücher vom Boden in den Abfalleimer und bitte kein Wasser mehr....!“

Emil schaut sich um, unzählige nasse und trockene Papiertücher sind über den ganzen Boden verstreut. Er sammelt alle ein und schmeißt sie in den Abfalleimer, dieser quillt jetzt über mit all dem Papier. Emil hebt den Fuß um einmal nachzudrücken...

„Stopp, jetzt lass aber gut sein, nachher hast du auch noch einen Eimer am Fuß. Hier ich habe ein Hemd gekauft. Wir legen jetzt einige Papiertücher unter deine Hose damit der Stoff nicht an der Haut klebt dann ziehst du das Hemd drüber und dann aber schnell wieder in den Bus. Der Fahrer wartet schon geraume Zeit“.

Gesagt, getan, Emil schaut sich das Hemd an, Wow es ist über und über voll mit Cars-Autos, toll. Es ist leider etwas groß aber so versteckt es alle Flecken an der Hose. Er fühlt sich toll mit diesem schönen, neuen Hemd, vergessen sind alle Schokoflecken und......., er fühlt sich jetzt wieder stark.

Nach Opa Emil klettert er in den Bus und setzt sich auf seinen Platz. Sofort setzt sich der Bus in Bewegung.

Emil freut sich jetzt auf Wien, auf seine ersten Ferien ohne seine Eltern. Er schaut kurz den Opa an, dieser schaut lächelnd aus dem Fenster. Warum lächelt der Opa?, ich war doch nicht richtig brav, ich darf bestimmt nie wieder alleine irgendwohin fahren. Emil schließt die Augen, er schämt sich schon ein bisschen da kann sogar das neue Hemd auch nichts ausrichten. Ganz erschöpft schläft er ein und träumt von riesigen Eisbechern, Eis tropft vom Dach, alles ist klebrig und glitschig.

„Na Jungchen, gut geschlafen?“, Emil schreckt hoch. „In wenigen Minuten erreichen wir den Südbahnhof, da steigen wir beide aus.“

„Jetzt schon, das ging aber schnell“, Emil reibt sich die Augen und im nächsten Moment ist er hellwach. Er hüpft auf seinem Sitz hin und her, „ich kann die Tante Lily schon sehen, schau mal, da hinten die Frau mit dem lila Hut, das ist meine Tante Lily“.

Der Bus fährt auf den Parkplatz und die Tür öffnet sich. Emil springt auf und beinahe hätte er seine Kappe und seinen Rucksack vergessen, er rafft alles unter den Arm und springt aus dem Bus, beinahe seiner Tante auf den Fuß.

„Na du Räuber hattest du eine angenehme Reise?“ Emil überlegt kurz und dann sprudelt es aus ihm heraus: „Ja es war toll, ganz und gar nicht langweilig, ich habe ein neues Hemd und ich........“ „Komm“ Tante Lily nimmt ihn bei der Hand „jetzt fahren wir schnell nach Hause, ich habe eine gute Suppe gekocht damit du nicht mit leerem Bauch ins Bett musst und morgen erzählst du mir dann deine Abenteuer. Moritz schläft bestimmt schon ganz fest.“

Emil klettert zur Tante Lily ins Auto, er fühlt sich jetzt doch etwas müde und freut sich schon auf seinen Cousin Moritz. Ja morgen, morgen will er der Tante alles erzählen.

 

 

 
Emil in Wien
 
Emil blinzelt, die Sonne kitzelt ihn an der Nase, er öffnet ganz langsam seine Augen „wo bin ich“, ach ja jetzt fällt es ihm wieder ein, er ist ja in Wien, in Wien bei der Tante Lily und dem Moni Franz und bei seinem Cousin Moritz. Langsam setzt er sich im Bett auf und schaut sich im Zimmer um. Die Gardinen sind zugezogen aber zwischen ihnen hat ein vorwitziger Sonnenstrahl seinen Weg ins Zimmer gefunden. An der Wand hängt eine Uhr, eine Mickymaus Uhr, genau so eine hat er auch zu Hause. Die hatte Tante Lily letztes Jahr aus Paris mitgebracht. Emil liebt seine Uhr, an dem großen Zeiger liegt die Mickymaus auf dem Bauch so als würde sie den Zeiger festhalten, aber dieser dreht sich dennoch ganz langsam vorwärts. Emil muss kurz überlegen, ja richtig, es ist ist 7,10 Uhr. Eigentlich noch recht früh aber dieser Sonnenstrahl der ihn so frech an der Nase kitzelte hat ihn aufwachen lassen. Bei seinem Bett stehen ein Paar Hausschuhe und auf dem Stuhl liegt eine frische Jeans. Emil steht auf streift die Jeans über und schlüpft in die Hausschuhe. Ganz langsam drückt er die Klinke der Tür runter, es ist noch ganz still im Hause, Durch das große Fenster scheint die Sonne und gibt den Blick frei in den Garten. Es sieht fast so aus wie bei ihm zu Hause. Mama hatte ihm erzählt dass Wien eine sehr große Stadt sei mit sehr vielen Autos, Bussen, Straßenbahnen und eben auch diese Unterbahnen die unter der Erde fahren. Immer wieder hat sie ihn davor gewarnt, er solle nur acht geben......

„Emil du bist schon wach konntest du nicht schlafen?“ „Doch aber die Sonne hat mich aufgeweckt, aber sag einmal Tante Lily, wo sind denn all die Autos und Straßenbahnen?“ Tante Lily musste zuerst überlegen dann lacht sie. „Hat meine Schwester, deine Mutter dich vor den Autos gewarnt, ja es stimmt hier in Wien ist schon viel Verkehr aber wir wohnen zwar in Wien aber in einem Randgebiet und wir haben das große Glück einen schönen Garten zu haben. Hinter der Hecke da gibt es einen tollen Fahrradweg und der führt am Liesing Bach entlang. Wir werden bestimmt einmal eine Fahrradtour machen.“ „Weißt du was? du kannst mir helfen beim Frühstück machen. Hast du Lust auf Palatschinken?“ Emil versteht gar nichts, Schinken zum Frühstück? Viel lieber wäre ihm etwas Süßes so wie Honig oder Marmelade oder Nussnougatcreme oder.... „Was für Schinken ist Palat?“ Tante Lily lacht übers ganze Gesicht „Emil ist denke du wirst noch viele Ausdrücke lernen in dieser Woche die du nicht kennst, Palatschinken sind Pfannkuchen,, Emil strahlt übers ganze Gesicht, Hmmm, Pfannkuchen liebt er über alles. Zu Hause macht Mama immer nur welche am Sonntagabend aber zum Frühstück gab es das noch nie.

Ganz begeistert hilft Emil, er rührt Mehl, Milch und Eier in einer Schüssel zu einem ganz feinen Teig, dann brät Tante Lily die Pfannkuchen in einer Pfanne und streut anschließend Zucker drüber. Hmmmmm, Emil kann es kaum erwarten diese leckeren Palatschinken zu essen.

„So Emil, jetzt läufst du hoch ins Badezimmer und wächst dir das Mehl aus dem Gesicht”.

Kurze Zeit später sitzen zwei hungrige Buben am Frühstückstisch und schlagen sich den Bauch voll mit Pfannkuchen. „Ich kann nicht mehr Tante Lily“. „Na dann waren deine Augen wohl doch grösser als dein Bauch, ihr beide dürft jetzt noch in den Garten ich räume den Tisch ab und wenn ich fertig bin dann fahren wir in die Stadt, ich muss einige Besorgungen machen und Emil kann sich dann ein bisschen umschauen.“

Kurz vor Mittag ist es dann endlich soweit, Emil soll das richtige Wien sehen, er kann es kaum erwarten. Was will er alles seinen Schulkameraden erzählen, er ist richtig aufgeregt als Tante Lily beide Jungs ermahnt sich fertig zu machen. Kurze Zeit später machen sich alle auf den Weg in die Stadt, zuerst geht’s zu Fuß zum Rothneusiedelplatz, dort nehmen sie die Straßenbahn und fahren zum Reumannplatz um dann anschließend mit der U1 in die Stadt zu fahren. Emil ist total begeistert, er sieht jetzt ein ganz anderes Wien, mit großen Straßen, Autos, Straßenbahnen und der U-Bahn.

Die riesigen Rolltreppen die von oben ganz nach unten in einen Tunnel führen. Aber sie kommen nicht in einen Tunnel sondern in eine große Halle, die hell erleuchtet ist. Emil hat es sich ganz anders vorgestellt, wie kann er auch nicht sagen aber eben anders, nicht so groß, dunkler, vielleicht etwas gruseliger denn Tunnels sind ja eigentlich gruselig. Er muss öfters ermahnt werden nicht zu nahe an den Bahnsteig zu gehen, zu gerne hätte er sich ganz genau die Schienen angesehen, sind es die gleichen wie bei einem normalen Zug oder vielleicht doch andere?

Ein Zug fährt rein und sofort drängen ganz viele Menschen herbei. Tante Lily nimmt die Jungen bei der Hand und sie steigen ein. Sobald ein Sitzplatz gefunden ist setzt Emil sich ans Fernster, er muss jetzt wirklich ganz genau beobachten wo die U-Bahn hinfährt, aber kurz nachdem der Zug sich in Bewegung setzt wird es draußen ganz dunkel, Emil drückt die Nase ganz fest ans Glas des Fensters. Plötzlich gibt es ein lautes Geräusch, Emil fährt erschrocken zurück. „Was war das?“ Tante Lily lächelt „Das war eine U-Bahn die aus der entgegengesetzten Richtung an uns vorbei gefahren ist“. Puhh die fährt aber sehr schnell, Emil hält ab jetzt etwas Abstand zum Fenster. Er beobachtet jetzt die Menschen. Alle Plätze sind besetzt und es stehen noch viele Menschen im Gang, halten sich fest wieder andere versuchen das Gleichgewicht so zu halten was aber nicht immer funktioniert. Wenn die U-Bahn bremst dann müssen sie sich trotzdem irgendwo festhalten oder sie drohen umzufallen.

Einige Haltestellen weiter steigen auch sie aus. Hier ist alles noch viel grösser, sehr viele Menschen, die einen steigen ein, die anderen aus. So viele Menschen die so hektisch hin und her laufen hat Emil noch nie gesehen. Es erinnert ihn an den großen Ameisenhaufen der zu hause hinter ihrem Garten ist. Da wimmelt es auch so und die einen Ameisen laufen in den Haufen wogegen wieder andere nach draußen drängen, aber jede scheint genau zu wissen wohin sie will. Und auch hier scheint jeder zu wissen in welche Richtung er will.

Emil nimmt Tante Lily bei der Hand. Die scheint auch ganz genau zu wissen wohin sie will. Sie fahren wieder einige Rolltreppen hoch und kommen dann wieder oben in der Stadt heraus. Emil ist total beeindruckt. Irgendwie hat es ihm die Sprache verschlagen, das ist total aufregend. Ein Zug der unter der Erde hin und her rast, dazu die vielen Autos und Straßenbahnen, Emil ist einfach nur begeistert. Wenn er zu Hause mit Mama in die Stadt fährt dann fahren sie Bus und in der Stadt gibt es viele Geschäfte und viele Autos aber Wien ist viel viel spannender.

„Hallo Emil, hörst du mir zu? Schau dich doch einmal um zu deiner linken siehst du die Wiener Staatsoper. Das ist ein imposantes Gebäude, 1869 zu der Zeit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sissi wurde die Oper eröffnet und seither gibt es sehr bekannte und berühmte Aufführungen, wie „die Hochzeit des Figaro, Fidelio, Don Juan........

Moritz nimmt Emil bei der Hand, „Sag einfach nur Ja und toll, wenn Mama von der Oper redet dann kommt sie immer ins Schwärmen und findet kein Ende“.

Nach endloser Zeit, jedenfalls erscheint es Emil wie eine Ewigkeit, nimmt Tante Lily die Jungs wieder bei der Hand und zieht sie weiter. Sie gehen über einen großen Platz auf dem unzählige Tauben sitzen und Reste von Brot aufpicken. Emil wäre zu gerne zu den Tauben gelaufen aber Tante Lily hält seine Hand ganz fest. Sie biegen in die Kärtnerstrasse ein. Hier ist ein Geschäft neben dem anderen, Geschäfte mit Mützen und Hüten, oder mit Kleidung wie Jacken, Hosen usw., dann eine Apotheke, ein Unterwäschegeschäft, eins mit Parfum. Ganz uninteressant und fast bei jedem Geschäft bleibt Tante Lily stehen und schaut sich die Auslagen an, manchmal nur im Vorbeigehen aber meistens dauert es sehr lange. Jetzt bleibt Tante Lily bei einem Schuhladen stehen, ganz konzentriert schaut sie die Auslagen an, Emil langweilt sich, er tritt von einem Fuß auf den anderen aber das scheint Tante Lily nicht zu stören, dann schaut er sich um, gegenüber ist ein Schmuckladen, sein Blick wollte schon weiter schweifen als er zwei dunkle Männer im Inneren des Ladens bemerkt. Die beiden verhalten sich irgendwie komisch, der eine schaut immer wieder zum Fenster raus während der andere weiter hinten im Geschäft hin und her läuft. Emils Neugier ist geweckt, er beobachtet die beiden ganz genau während Tante Lily noch immer interessiert von einem Schuh zum anderen schaut. Moritz steht gelangweilt daneben aber er scheint nichts von alledem zu merken. Emil möchte zu gerne seine Entdeckung den beiden mitteilen, er macht einen Schritt nach vorne, dann fliegt die Tür des Schmuckladens auf und die zwei Männer, beide tragen dunkle Mützen, stürzen heraus und auf die andere Straßenseite zu, sie kommen auf Emil zugelaufen welcher wieder einen Schritt nach hinten machen will, sich dann aber am Bürgersteig anstößt und hinfällt, zur gleichen Zeit stolpert einer der Männer über den fallenden Emil. Alles geschieht so schnell dass Emil nicht einmal den stechenden Schmerz in seinem Arm wahrnimmt. Er sieht nur dass der Mann seine Mütze verliert und darunter rotblondes raspelkurzes Haar hat. Als er wieder aufspringt verliert dieser eine schwarze Tasche , er sieht sich um bemerkt dass Emil ihn genau beobachtet, lässt die Tasche dann liegen und rennt seinem Kollege hinterher bis dass beide in einer Nebenstraße verschwinden. Emil greift nach der Tasche und erst jetzt wird ihm bewusst dass sein Arm ganz dolle weh tut. Er nimmt die Tasche mit der anderen Hand und schaut hinein dann zur Tante Lily hin. „Mein Gott Emil was machst du, warum stehst du auch da im Weg? hast du dir weh getan?“
Emil ist verwirrt, er kann nicht sofort antworten. Die Tasche presst er fest an sich. In der Zwischenzeit stehen einige Personen bei ihnen. Emil will soeben der Tante alles erklären als er eine Hand an seiner Schulter spürt. „Mein Junge, bist du der Held der den Räuber zu Fall brachte, durch dich konnten wir einen der beiden fassen, leider ist der 2. Räuber entkommen und wir konnten die gestohlenen Schmuckstücke auch nicht finden, konntest du noch etwas beobachten?“ 2 Polizisten beugen sich zu Emil nieder. Dieser bleibt noch immer stumm aber er reicht die Mappe dem Polizisten. Dieser blickt kurz in die Tasche „mein Gott Junge wie hast du das gemacht? Du bist ja der Held des Tages, schon seit geraumer Zeit treiben diese beiden Räuber hier ihr Unwesen, der Inhaber des Schmuckladens konnte noch einen Hilferuf leisten so dass wir schnell zur Stelle waren und nur durch dich konnte einer gefasst werden, und die Schmuckstücke wird der Juwelier auch zurückbekommen.“
Der Polizist nimmt Emil mit der Hand und will ihm gratulieren, Emil zuckt zusammen, er hat ganz vergessen wie weh sein Arm tut, Tränen treten ihm in die Augen. „Als der Mann auf mich drauf fiel hat er seine Tasche verloren und ich habe sie aufgehoben, aua, mein Arm tut so weh“. Der Polizist wendet sich an Tante Lily die noch immer sprachlos den kleinen Moritz an sich drückt. „Sind sie die Mutter“? fragte der Polizist. „Nein die Tante, Emil verbringt seine Ferien bei uns“. „Gut“, der Polizist sagt zu Tante Liy „Gnädige Frau, ich denke wir bringen den kleinen Held hier ins Spital, damit man seinen Arm verarzten kann, könnten sie dann später zu uns ins Büro kommen damit wir das Protokoll aufnehmen können, unser Auto steht sofort um die Ecke.“ Erst jetzt scheint Tante Lily irgendwie zu verstehen was geschehen war. „Darf ich auch mitfahren mit dem Polizeiauto, und fahren wir mit der Polizeisirene“ Moritz ist total aufgeregt. Der Polizist lächelt „Natürlich das machen wir, wir fahren mit der Sirene ins Spital, kommt ich glaube Emil hat große Schmerzen.

Im Polizeiauto ist Moritz nicht mehr zu halten, am liebsten hätte er jeden Knopf gedrückt, der Polizist zeigt ihm seine Handschellen und Moritz fühlt sich in dem Moment sehr wichtig. Emil sitzt auf dem Rücksitz, in sich gekauert, mit der einen Hand hält er seinen Arm fest. Die Schmerzen werden jetzt immer schlimmer. In seinem Kopf laufen die Bilder wie in einem Karussell. Er ist ein Held, zu gerne hätte er sich gefreut, ein Held, er, Emil, das muss sich doch viel doller anfühlen.

Kurze Zeit später erreichen sie das Spital, der Polizist redet mit der netten Dame in der Aufnahme und begleitet dann Emil, Tante Lily und Mo in den Wartesaal. Hier sitzen sehr viele Menschen, die einen husten, andere halten sich die Hand oder tragen einen blutigen Verband, wieder andere sitzen einfach nur da und warten. Emil fühlt sich ganz unwohl, nicht nur sein Arm schmerzt sondern er hat auch Angst vor dem was auf ihn zukommt. Keine 5 Minuten später kommt eine nette Krankenschwester und hilft Emil in einen Rollstuhl und fährt ihn dann sofort zum röntgen.
Tante Lily und Moritz müssen im Wartesaal sitzen bleiben.

Das Roentgen tut gar nicht weh, es ist so wie ein Foto machen erklärt ihm der Arzt. „Ja, mein Junge, dein Arm ist gebrochen dann müssen wird jetzt wohl einen Gipsverband machen, aber zuerst gebe ich dir eine Tablette damit die Schmerzen aufhören. Du darfst dir eine Farbe für den Gips aussuchen, wir haben rot, blau, rosa und weiß. Emil zögert nicht lange, rot, ich möchte einen roten Gips haben.

Der Arm wird eingegipst und Emil darf wieder zu Mo und seiner Tante . Die Schmerzen sind fast weg . „Müssen wir jetzt wieder zur Polizei?“ „Ja natürlich die Polizisten müssen ein Protokoll schreiben und du musst ihnen alles ganz genau erzählen was du gesehen hast. Ich habe die Telefonnummer hier“, Tante Lily, hält die Karte vom Polizisten in der Hand, „ich rufe jetzt an und dann wird ein Streifenwagen uns abholen kommen“.
Auf dem Revier ist alles total spannend, einige Polizisten laufen herum, das Telefon klingelt dauernd. Der nette Polizist bittet sie in sein Büro und will noch einmal ganz genau alle Einzelheiten von Emil wissen. Auch wie denn der Räuber aussah der Emil umrannte, aber da konnte auch Emil nicht weiterhelfen, „er trug eine schwarze Mütze und als er diese verlor hatte er rotblondes Haar“. Emil überlegt weiter dann sagt er „als er aufstand wollte er nach seiner Tasche greifen da merkte ich dass er eine große Narbe auf dem Handrücken hatte, dann ist er weggelaufen“.

Der Polizist schaut ganz nachdenklich drein, er runzelt die Stirn, er tippt in seinen Computer ein. „Du hast das alles ganz toll gemacht. Die Juwelen sind da jetzt müssen wir nur noch den Räuber finden, wollt ihr mir dabei helfen?. Ich gebe jetzt alle Daten in den Computer ein dann schauen wir mal ob wir den Dieb vielleicht wiedererkennen“.

Es dauerte eine ganze Weile dann erscheint ein Foto auf dem Bildschirm, dann ein weiteres und noch ein weiteres. Irgendwann kommt dann ein Bild von einem großen Mann mit schwarzer Mütze, beide Jungs schreien , „das ist er, genauso hat er ausgesehen“. Der Polizist tippt weiter und jetzt ist der Mann ohne Mütze zu sehen mit feuerrotem Haar. „Genau das ist er“.

Das habt ihr ganz toll gemacht, hätte mir schon denken können dass es der Swoboda ist, genau hier steht er hat eine große rote Narbe auf der rechten Hand. Na warte Bursche dich werden wir bestimmt bald festnehmen können und dann hat der ganze Spuck ein Ende. Seinen Komplizen haben wir schon aber er scheint noch nicht aktenkundig zu sein, aber dieser Swoboda der saß schon mehrere Jahre im Knast und ist erst seit 5 Monaten draußen und genau seit dieser Zeit gibt es immer wieder Einbrüche.

Toll Emil, du bist wirklich ein Held und auch Moritz konnte ja vieles bestätigen. Ihr habt euch aber wirklich eine Belohnung verdient. Der Polizist überlegt kurz und kramt dann in seiner Schublade. Er zieht einen Briefumschlag heraus und reicht ihn der Tante Lily. Gnädige Frau hier sind 3 Eintrittskarten für den Prater, mit allem drum und dran, sämtliche Spiele sind frei, genau so wie ein Mittagessen, Zuckerwatte usw. Emil und Mo schauen sich an. Mo grinst übers ganze Gesicht nur Emil weiß nicht so recht, was ist der Prater?, er traut sich nicht zu fragen. Daher bedankt er sich und verlässt die Wache mit seiner Tante und seinem Cousin.
Sobald zu Hause sprudelt es nur so aus Mo heraus. „Mama wann gehen wir in den Prater, morgen sag Mama wann?

Jetzt einmal Luft holen Moritz, morgen ist Samstag und am Wochenende ist immer alles überlaufen, wir fahren Anfang der Woche, dann sind weniger Leute da und ihr könnt ohne Warteschlangen auf die Spiele. Tante Lily hat so bestimmt geantwortet dass sogar Mo es einsehen musste.

Jetzt meldet sich Emil dann doch zu Wort. „Was ist der Prater?, eine Kirmes?“

Tante Lily nimmt Emil bei der Hand und zieht in mit sich ins Büro, dort drückt sie ihm Prospekte in die Hand. Der Wiener Prater auch Wurstel Prater genannt ist der älteste Vergnügungspark der Welt. Schon seit 1162 spricht man vom Wienerprater und das Wiener Riesenrad ist seit bald 150 Jahren eines der Wahrzeichen, nicht nur des Praters sondern der ganzen Stadt Wien. Außerdem gibt es unzählige Attraktionen, Karussells, eine Hochschraubahn, ein Planetarium, Restaurants, Kaffeehäuser usw.

Emil ist beeindruckt, auf den Prospekten sieht er fantastische Fotos von Karussells, Zuckerbuden und noch vieles mehr.

In dieser Nacht kann er vor Aufregung nicht schlafen und die folgenden Tage in Wien konzentrieren sich nur noch auf das Warten hin. Das Warten um endlich in den Wienerprater zu können. Obwohl die Tage dazwischen gefüllt sind mit vielen interessanten Unternehmungen, wie eine Radtour entlang des Liesing Baches, einen Besuch am Neusiedlersee, dem einzigen Steppensee in Europa mit einer Fläche von 320 Quadratkilometern, einer Schifffahrt auf der Donau. Das alles scheint nichts im Vergleich mit dem Besuch dieser riesigen Kirmes.

Dann endlich ist es soweit. Das Wetter ist fantastisch, die Sonne scheint an einem dunkelblauen Himmel. Tante Lily fürchtet schon dass der Tag zu heiß werden würde, aber egal, sie brechen um 10 Uhr auf und machen sich auf den Weg in den Prater. Emil fragt bestimmt 100 mal ob sie auch nicht die Eintrittskarten vergessen hätten. Dann endlich stehen sie vor dem Tor und reichen der netten Dame ihre Eintrittskarten, die schaut sich die Karten genau an und heißt sie dann mit ihrem nettesten Lächeln willkommen. Tante Lily hat große Mühe die beiden Jungs ruhig zu behalten so groß ist die Aufregung. Dann geht es Schlag auf Schlag, ein Spiel nach dem anderen wird ausprobiert. Manchmal ist Mo einfach noch zu klein dann musste auch Emil verzichten aber mit dem Riesenrad fahren dann alle 3, sogar Tante Lily lässt sich diesen Spaß nicht nehmen.

Die Aufregung lässt nach und macht einem anderen Gefühl Platz. Wie auf Kommando fängt der Bauch an zu grummeln und ihnen wird bewusst dass es jetzt Zeit ist etwas zu essen. Tante Lily hat ein Schnitzelhaus ausfindig gemacht und steuert nun schnurstracks darauf hin. Mit großem Hunger verschlingen beide ein riesiges Wienerschnitzel mit Pommes und der Durst wird durch ein großes Glas Kräuterlimonade gelöscht.

Emil wäre gerne sofort wieder los aber Tante Lily besteht darauf in aller Ruhe noch eine Tasse zu trinken und eventuell ein Stück Torte zu verzehren. Außerdem sagt sie ihre Füße würden sie umbringen und sie bräuchte dringend ein bisschen Erholung. Nach langem Betteln erlaubt sie dann den Jungs gegenüber dem Schnitzelhaus zuzuschauen wie Männer „Hau den Lukas“ schlagen. Manche schaffen es bis ganz nach oben, wieder andere nur bis zur Mitte. Direkt daneben gab es eine Bude mit Popcorn. Beide kaufen sich eine Tüte Popcorn und setzen sich auf eine Bank.

Die Popcorntüte ist beinahe leer als Emil bemerkt dass ein Mann den Lukas so fest schlägt dass die Glocke unaufhörlich bimmelt. Jedes Mal lacht er lauthals so dass sich schon eine Menge Leute umher versammelt haben. Er scheint seine Kraft voll auszukosten und schlägt immer und immer wieder zu. Jedes Mal dreht er sich zur Menge hin und lacht indem er den Mund immer weiter aufreißt.

Emil erschreckt bis ins Mark, ein Zittern steigt in seinem Körper hoch und scheint in seinem Kopf hängen zu bleiben. Er schaut zu Mo, dieser scheint aber nichts zu merken, also stößt er ihm seinem Ellbogen in die Rippen. „Mo das ist der Räuber, schau er hat diese roten Haare und die Narbe auf seiner Hand“. „und jetzt“ frage Mo zurück, „was machen wir jetzt“. Emil überlegt kurz dann sagt er „Lauf schnell zu deiner Mutter und sag sie soll die Polizei anrufen, ich bleibe hier sitzen und passe auf“. „Ok, aber auf was passt du auf Emil?“. „Weiss ich nicht und nun lauf schnell“. Mo rennt ins Schnitzelhaus und Emil versucht keinen Blick von dem Mann zu lassen. Dieser genießt seine Aufmerksamkeit und schlägt immer wieder zu, dazwischen schaut er sich um und lacht. Dann auf einmal bleiben seine Augen an Emil hängen, seine Stirn legt sich in Falten als ob er fieberhaft überlegen würde dann hört er abrupt auf mit lachen.

Emil rutschte das Herz in die Hose, jetzt hat er mich erkannt, jetzt wird er mich umbringen, oh mein Gott, was soll ich machen, ich muss fort von hier.

Er hat noch nicht bis zum Ende gedacht schon saust er hinter das Schnitzelhaus und verkriecht sich unter einer leerstehenden Bude. Sein Herz pocht so laut dass er glaubt man müsste es durch den ganzen Prater hören.
Er weiß gar nicht wie lange er so da lag, es erscheint ihm wie eine Ewigkeit. Er traut sich nicht einmal sich zu bewegen da hört er auf einmal wie jemand laut nach ihm schreit: „Emil, Emil, wo streckst Du denn? Emil?“ Das war doch Tante Lily. Und auch Mo ruft immer wieder unter Tränen: „Emil, wo bisst du?, dann schluchzte er „der Mann hat ihn bestimmt umgebracht“.
Emil wage einen Blick nach draußen und hört wie Tante Lily sagt: „Jetzt sei aber mal gescheit, der Räuber wurde so schnell von den Polizisten abgeführt dass er unmöglich Zeit gehabt hätte Emil was anzutun, Gott sei Dank waren die Beamten beim Mittagessen im Schnitzelhaus. Aber trotzdem wo ist Emil? EMIIIIL“.

Ganz verängstigt kriecht Emil aus seinem Versteck, sein Hose ist über und über mit Dreck und Spinnweben verklebt. „Hier bin ich, hier“.Mo reißt ihn fast um vor Freude. „Die Polizisten haben ihn verhaftet Emil und wir haben dazu beigetragen, stell dir vor wir sind jetzt wieder Helden, er kommt jetzt ins Gefängnis“. Aus Mo sprudelt es nur so heraus. Emil kann sich nicht so richtig freuen, viel zu groß war seine Angst. Jetzt ist er müde und sein Arm schmerzt wieder.

„Ich will nach Hause“ erklärt er mit kläglicher Stimme. “Das ist aber auch das Einzige was machbar ist, erklärt Tante Lily, „so wie du aussiehst können wir nicht mal mit der Tram und der U-Bahn fahren, wisst ihr was?, wir nehmen uns jetzt ein Taxi und fahren auf dem geraden Wege nach Hause, da kann Emil sich in die Wanne legen und dann geht es ihm schnell wieder besser.“

Gesagt, getan. Zu Hause macht Tante Lily eine Plastiktüte über den Gipsarm von Emil und dann badet er ausgiebig. Anschließend zieht er einen flauschigen Pyjama über und schon vor dem Abendessen ist er eingeschlafen.

Am nächsten Tag überlegen Emil und Mo ob sie denn jetzt schon wieder Helden wären oder noch größere und vielleicht dürften sie jetzt noch einmal in den Prater. Keiner von beiden traut sich aber etwas zu Tante Lily zu sagen, denn die Antwort kannten beide:
„Ihr habt nichts Außergewöhnliches geleistet. Durch Zufall hat Emil den Räuber erkannt und wir haben es der Polizei gemeldet, das war unsere Pflicht“.
Ja das stimmt ja aber beide Jungs fühlen sich wie Helden.

Die letzen 2 Tage in Wien vergehen für Emil wie im Fluge. Es ist Nachmittag und Emil ist dabei seinen Koffer für die Heimreise zu packen, da klingelt es an der Tür. Tante Lily ist im Garten und kann so die Türklingel nicht hören, also, obwohl verboten, öffnet Mo die Tür,, Emil drückt sich hinter ihn.
Zwei Polizisten stehen da und der eine fragt mit tiefer Stimme: „Seid ihr die Herren Emil und Moritz?“ Beide sind so überrascht dass sie nicht sofort antworten können.
„Wir wollten euch im Namen der Polizei Wien noch einmal danken für eure Hilfe und wir haben auch ein Geschenk für euch.

In der Zwischenzeit kommt Tante Lily ins Haus und bittet die beiden Polizisten herein. Bei einer Tasse Kaffee erzählen die dann dass beide Räuber zu einer Bande gehörten und dass sie – mit Emils Hilfe – die ganze Bande dingfest machen konnten.
Der Juwelier aus der Kärtnerstrasse hat die beiden Geschenke als Belohnung gespendet. Eins für Mo und eins für Emil und zum Schluss erklärt er noch den beiden sie sollen immer die Augen aufhalten denn die ‚richtige Logistik’ alles sei. Dann verabschieden sich beiden Polizisten und die beiden Jungs stürzen sich auf die Päckchen. In dem Päckchen von Mo war eine Flik Flak Uhr und Mo flippt fast aus vor Freude.
Dann öffnet Emil sein Paket und fast wäre er vor Freude umgefallen, ein Smartphone kommt zum Vorschein. Dabei liegt eine Karte auf der steht, ein Guthaben für ein Jahr ist schon im voraus bezahlt außerdem sind einige Spiele drauf geladen so dass du eine Beschäftigung auf der Heimreise hast.

Zu gerne hätte Tante Lily erklärt dass beide noch etwas jung seien für diese Geschenke und dass so ein Smartphone auch nicht unbedenklich wäre und dass......... aber sie schluckt ihre Belehrungen runter und freut sich einfach mit den beiden.

Abends vor Zubettgehen fragte Emil: „Tante Lily, was ist eigentlich Logistik?“ Ganz einfach Emil Logistik ist sowohl eine interdisziplinäre Wissenschaft, als auch... ach Quatsch Emil, in deinem Fall bedeutet die richtige Logistik einfach dass du zur rechten Zeit am rechten Ort warst“.